Chiang Mai: 3 Tage, 3 Roadtrips

Chiang Mai: 3 Tage, 3 Roadtrips

…und dann wurden daraus vier Tage.

In Deutschland habe ich das Wetter durchaus als wichtigen Faktor in meine Wochenplanung integriert. Es war entscheidend für die Wahl „Fahrrad oder üstra-Wochenkarte?“ oder gar für die Entscheidung in eine Monatskarte zu investieren. Wenn meine Wettervorhersage viel Sonne für Mittwoch versprochen hat, so habe ich bereits Dienstag früh angefangen meine Freunde zusammenzutrommeln für ein gemeinsames Grillen im Park. Geht es in den Sommer, Sonne, Strand-Urlaub, verlasse ich mich durchaus darauf jeden Tag von Sonnenstrahlen geweckt zu werden. Doch auf unserer Weltreise informiere ich mich über das Wetter der kommenden Tage so häufig wie über aktuelle Aktienkurse – quasi nie. Mein persönlicher Drang der Fehlersuche führt mich zu diesen Gedankengängen. Es ist der dritte Tag unserer Roadtrip-Roller-Serie in Chiang Mai, doch statt mit dem Hintern auf dem motorisierten Zwei-Rad sitze ich in unserer Airbnb-Wohnung und blicke alle fünf Minuten aus dem Fenster. Was ich sehe? Regen in seiner nassesten und feinsten Art, der seit zwei Stunden unaufhörlich auf die Straßen Chiang Mais prasselt. Gestern, als ich meine Whats-App Nachrichten prüfte und ein bisschen durch die neusten Instagram-Bilder scrollte, da hätte ich vielleicht auch das Wetter prüfen können. Hätte, hätte, Fahrradkette. Der Roadtrip wird auf morgen verschoben, der Roller für einen Tag länger gemietet und die Avocado-Tomate-Proviant-Schnittchen verputze ich in diesem Moment. Es heißt: Daumen drücken für morgen und einen zweiten Versuch zum Doi Inthanon Nationalpark zu fahren.

Zwei Tage Roadtrip liegen bereits hinter uns. Zwei Tage mit viel Sonne, atemraubenden Ausblicken und bergigen Landschaften. Am ersten Tag galt unsere volle Aufmerksamkeit der Gegend um den Doi Suthep-Pui National Park. Gar nicht weit von unserem Airbnb-Zuhause entfernt, führt eine Straße diesen Berg hoch und bereits auf dem Weg nach oben gibt es eine Menge zu sehen. Hier gilt: der Weg ist das Ziel. Unser erster Stopp war der Wasserfall „Wang Buabaan“: dort gab es viele badende Familien, ein paar schaulustige Touristen und glitschige Steine, die mich glatt zum Fallen gebracht haben. Für Oleg war es ein kleines Kletterparadies mit hübschen Fotomotiven. Glücklicherweise unversehrt ging es mit dem Roller weiter den Berg hoch. Nach einem kleineren Wasserfall, folgte dann eine reizende Tempelanlage mit Meditationscenter und gleichnamigem, wunderschönem Wasserfall. Dieser Ort gilt als eine Art Geheimtipp unter den Reisenden, die einfach keine Lust mehr auf die mit Touristen überfüllten zentralen großen Tempelanlagen haben: der Wat Pha Lat.

Weiter oben auf dem Berg folgen Aussichtsplattformen und letztlich der Tempel, der Verkaufsschlager jedes Touristen-Büros im Tal von Chiang Mai ist: der Wat Phra That Doi Suthep. Die meisten der typischen Chiang-Mai Taxen bringen Reisende aller Welt den Berg hoch zu dieser Sightseeing-Attraktion, die von Lonely Planet auf Platz 2 der Must-See’s in Chiang Mai nominiert wird. Nachdem wir unseren Roller geparkt haben, ging es ein paar hunderte Treppenstufen hinauf bis zu einem Schild, welches „Foreign People“ zur Kasse bittet. Der Eintritt kostete uns 30 Bath Eintritt (0,75 Euro) pro Person. Ein paar Stufen weiter oben fanden wir sehr viele Touristen und doppelt so viele Schuhe vor der Tempelanlage. Wenig authentisch durch diese Massen an fotografierenden Menschen, die kaum Platz lassen für thailändische Buddhisten. Eine schöne Aussicht hat man von hier oben, aber mein Bedürfnis diesen Ausblick fotografisch festzuhalten blieb auch hier aus. Es wäre jedes Mal ein Selfie-machender Mensch mit auf dem Bild. Was wir jedoch sehr empfehlen können – die kleine Bude mit Eis direkt vor dem Eintrittsschalter. Ein Paradies für Oleg!

Höher als bis zu diesem Punkt kommen die meisten Touristen nicht, weil ihre Busse, Vans & Co. wieder den Rückweg antreten. Wir, vogelfrei dank Roller, konnten den Berg noch ein ganzes Stück weiter hinauffahren. Unser Ziel war der Aussichtspunkt des Doi Pui, jedoch waren wir etwas zu spät (16:47) und ab 17 Uhr sollte man laut Hinweisschild lieber den Rückweg antreten. Bis zu diesem Hinweisschild sind wir nämlich gekommen und damit fehlte uns nur ein 2km Fußmarsch, so nah waren wir dran! Der Weg dahin war jedoch wirklich nicht einfach zu fahren für Oleg (Fahrer) und mich (zitternde Mitfahrende). Kieselsteine, scharfe Kurven, starke Steigungen und Gefälle, auf einer Straßenbreite, die nur für einen Truck ausreichte. Wenn uns also ein Truck entgegenkam, waren wir dem Dschungelabgrund auf einmal sehr nah. Die Vorstellung diesen Weg im Dunkeln ohne Straßenlaternen zu bestreiten schreckte uns doch ab. Die Fahrt dahin lohnte sich trotzdem, da sich bereits vorher einige atemberaubende Aussichten darbieten. Es fühlte sich an als hätten wir den Dschungel für uns ganz allein.

Bereits für den zweiten Roller-Roadtrip-Tag war der Doi Inthanon Nationalpark (mehr dazu) angedacht. Er liegt etwas weiter weg, um genau zu sein rund 50 km weit weg. Als wir angezogen und fast bepackt auf die Uhr schauten, fühlte sich die Zeit nicht ausreichend für einen solchen Ausflug an und wir verschoben den Nationalpark nach hinten.

Stattdessen machten wir eine Art Spazierfahrt mit dem Roller, so wie eine Fahrradtour in Deutschland. Einfach treiben lassen, wohin uns der Roller auch fahren mag. So oder so in der Art haben wir auch am zweiten Tag einiges entdeckt: Tempel, Tempel, Aussichtspunkte, einen Markt und drei hübsche Cafés. Der Markt war ein absolutes Highlight, weil wir das erste Mal einen richtig lokalen Markt besuchten und keinen Night Market, der zu 70 Prozent aus Obst-/Schmuck-/Fast-Food-Ständen besteht, die Touristen gut finden könnten. Nein, das war der Markt auf dem unsere Smoothie-Verkäuferin ihr Obst kaufen wird. Es war viel zu günstig und alles von guter Qualität. Es war so schön lokal, dass es sich fast schon wieder anfühlte als wären wir dort falsch.

Und der Nationalpark in 50 km Entfernung? Er wartet noch immer auf uns drei – Fino (Roller), Oleg und mich. Nach so vielen Tagen mit ein und demselben Roller, fühlt es sich an als würde er schon immer zu uns gehören. Und wir können jedem Reisenden immer wieder empfehlen, die Variante mit dem eigenen Roller in Betracht zu ziehen. Der Verkehr wirkt nicht nur chaotisch, das ist er. Die Roller sind nicht immer die Neusten, das stimmt auch. Aber die Möglichkeiten, die er euch bietet sind unbegrenzt und ihr werdet so viel mehr von einer Stadt, einem Land sehen und erleben – Helm auf und ab ins Abenteuer. So entgeht euch garantiert kein Geheimtipp.

Dieser Artikel wurde auch im Online-Magazin reisereporter veröffentlicht. Siehe hier!

TEILE DIESEN POST


Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *