kathmandu: die schlimmste autofahrt meines lebens

kathmandu: die schlimmste autofahrt meines lebens

​augen zu und durch?

‘Slow Drive, Safe Live’ oder ‘Road King’ ?

Es gibt mehrere Möglichkeiten von Kathmandu nach Pokhara zu gelangen:
  • Flugzeug
  • Tourist Bus 
  • Minivan
  • Local-Bus
Theoretisch könnt ihr euch auch ein Auto mieten, aber diese Option haben wir bei dem uns so unbekannten Verkehr Nepals gar nicht erst in Betracht gezogen. Die günstigste Variante ist wohl der Local-Bus. Wir haben diese erstmal ausgeschlossen, da wir in den Tagen in Kathmandu genug Reisebusse und deren Zustand gesehen hatten. Der Touristenbus war unsere erste Idee – wir verglichen Preise und kamen letztlich auf eine Spanne von 600-900 Rupees pro Person. Wir hatten die Tage mehr Kontakt zu Reisebloggern, die gerade in Nepal sind oder erst hier waren und bekamen die Empfehlung ruhig einen Minivan auszuprobieren. Es sei günstiger und schneller. Empfehlungen mögen wir immer gern! Zudem fahren die Minivans den ganzen Tag über, der Touristenbus nur einmal am Tag – morgens gegen sieben Uhr. Wir wollten den Stress am Morgen umgehen und der Sparfuchs in uns hoffte zusätzlich auf einen Kostenvorteil. So fiel unsere Entscheidung: ein Minivan sollte es sein.
 
Wir nutzten das letzte Frühstück im Hotel und dann sollte es losgehen in die Berge – endlich raus aus Staub & Chaos. Hallo, frische Luft! Letzte Recherchen zum gewählten Transportmittel ‘Minivan’ beunruhigten jedoch – gefährlich, rasanter Fahrstil, Unfälle, Tod. Für Touristen wird häufig empfohlen den Touristenbus zu wählen – dieser sei bequem und komfortabel. Unsere Entscheidung war jedoch gefallen und so besorgten wir uns am nächsten morgen Snacks bei unserem Lieblingsbäcker, suchten das günstigste Taxi zum ‘Kalanki’ Busbahnhof (350 Rupees von Thamel) und stürzten uns in unserem ersten abenteuerlichen Reisetag in Nepal.
Wir erreichten einen Straßenabschnitt, auf dem es nur so von Reisebussen und Minivans wimmelte. Einfach mal jemanden ansprechen und schauen was passiert – das war unser Motto. Pokhara ist kein unbekanntes Reiseziel und demnach wusste eigentlich jeder, dass ganz bald der nächste Minivan kommen sollte. Nach rund 10 Minuten vor Ort saßen wir in einem Fahrzeug, welches mit Holzkisten als zusätzliche Sitzmöglichkeit 20 Personen aufnehmen konnte. Unser Gepäck kam auf das Dach und wir hofften, jemand würde es richtig befestigen. Bis wir letztlich die wilde Fahrt starten konnten, dauerte es noch eine Weile. Der Minivan sollte erst starten, wenn er so voll wie möglich mit Passagieren war. So fuhren wir noch alle möglichen Haltestellen in Kathmandu an, um den Bus voll zu kriegen. Später zeigte sich, dass wir in jeder kleinen Stadt halten würde. Dabei schrien zwei junge, nepalesische Männer wie verrückt unser Reiseziel in die Menge und lockten die Menschen durch die offene Seitentür in unseren Van – und zwar mit Erfolg. So starteten wir die eigentliche Fahrt Richtung Pokhara zwischen 12:30/13 Uhr. Seit wir das Fahrzeug bestiegen hatten, war die Belastung durch Staub und Abgase noch zehnmal schlimmer geworden – der Van hat keine Klimaanlage und die offenen Fenster schleusten ordentlich viel dreckige Luft in das Innere des Vans – der Mundschutz war ein großes Plus! Erste Ernüchterung – unsere Hoffnung auf einen Preisvorteil ließ sich nicht bestätigen. Wir zahlten 500 Rupees pro Person plus 100 Rupees pro Gepäckstück (Backpack). Letztlich zahlten wir also genau so viel wie mit dem Touristenbus. Vermutlich hätten wir noch handeln können, aber nach dem Shopping-Marathon für unseren Trek waren wir müde vom Feilschen. 
 
Wie die Fahrt so lief? Gefährlich schnell und extrem holprig. Unsere Horror-Recherche schien der Wahrheit zu entsprechen. Oleg versucht zu häufig den Fahrstil des Fahrers zu beobachten und schaut sich Überholmänover vom nepalesischen Road King an. Ich entschied mich, die bergige Landschaft, die Menschen und Dörfer zu begutachten – das erleichterte die Fahrt für meine Nerven. Aber sollten wir heute von einer Klippe stürzen, dann wenigstens gemeinsam und glücklich. Nach 50 km Fahrt sind diese Gedanken erstmal überschattet – wir stehen. Ein Stau, vermutlich unfallbedingt. In einem kleinen Dorf mitten in Nepal stehen wir also, unwissend über den weiteren Verlauf der Fahrt. Die Sorge mitten im Nirgendwo festzustecken und Pokhara an diesem Tag nicht mehr zu erreichen erfasste meine Gedanken. Glücklicherweise ging es nach etwas mehr als einer Stunde weiter und unser persönlicher Road King machte seinem Namen erneut alle Ehre – nur, dass sich das hier nicht positiv assoziiert. Augen zu und durch: Leicht angespannt, etwas feuchte Hände und eine Geräuschkulisse, die die sich zeitweise entwickelnden Angst-Momente nur unterstützt.
  
Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr in einem Auto sitzt und gar nicht mehr einschätzen könnt, wie schnell das eigentlich gerade ist, weil der Fahrer schon ewig das Gaspedal drückt?
Kennt ihr das Geräusch, wenn zwei Autos viel zu schnell aneinander vorbeirauschen, sich knapp verfehlt haben und beide noch fest auf die Hupe drücken? Dieses Geräusch war bei unserer Fahrt präsenter als das Radio. Als zu Beginn noch Ed Sheeran lief, fühlte ich mich fast wohl und machte es mir gemütlich auf meinem Platz in der letzten Reihe neben Oleg. Diese musikalische Untermalung war jedoch nur von kurzer Dauer und die Realität wurde danach umso greifbarer. War dies unsere bisher schlechteste Entscheidung auf der Weltreise? 
Am Anfang waren wir uns gar nicht sicher, ob das dauerhafte Geräusch der Hupe in unseren Ohren zu unserem Van gehörte, aber auch diese Unsicherheit klärte sich schnell – das waren definitiv wir. Es fühlte sich an, als würde kein anderer Van so schnell fahren, denn wir wurden auch nach 100 km Fahrt noch von niemandem überholt.
Eine Frau, ihr Mann und deren Baby saßen vorne neben dem Fahrer – ich fragte mich immer wieder: Wie kann diese Mutter so viel Vertrauen in diesen verrückten Fahrer schenken? Sie scheint um einiges weniger besorgt als wir. Ich zog darauf einen klaren Gedanken: Wenn sie denkt, dass diese Fahrt normal und überstehbar ist, dann glaube ich ihr einfach.
 
Ein Hoffnungsschimmer? Die Kulisse wurde besser, immer besser. Der Sonnenuntergang mitten in den Bergen brachte uns für kurze Zeit auf anderen Gedanken. 
Während der Fahrt von Kathmandu nach Pokhara sammeln wir jeden an der Straßen stehenden möglichen Passagier ein und lassen immer mal wieder jemanden in einem kleinen Dorf ab. Insgesamt werden wir im Verlauf der Fahrt jedoch eher mehr als weniger Passagiere – 8 km vor Pokhara sind wir 22 Erwachsene und drei Kinder in einem Minivan, der für 16 Personen gedacht ist. Ob wir am Ende schneller in Pokhara waren? Ich bin mir nicht sicher. Ob auf meinem Kopf fünf neue (noch) imaginäre graue Haare gewachsen sind? Ganz sicher. 
Ob wir den Minivan erneut dem Touristenbus vorziehen würden? Eindeutig nein. 
Auch wenn wir nicht wissen mit welchem Motto die Busfahrer der Touristenbusse unterwegs sind, werden wir auf dem Rückweg nach Kathmandu diese Variante ausprobieren. Wir wissen, dass wir Reisetage in Nepal nicht mit Flixbusfahrten vergleichen können. Doch nach vielen Busfahrten in Vietnam, Kambodscha, Laos und Thailand können wir sagen – das war bisher die schlimmste Fahrt seit unserer Reise. 

anschauen statt durchlesen?

diesen beitrag gibt es auch als vlog

H I E R


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