Faszination: Hostel

Faszination: Hostel

 verrückte hassliebe

Es ist 1:52 Uhr nachts und ich wälze mich in meinem Hosteldoppelbett in Bangkok von links nach rechts. Während Oleg schlummert wie ein Baby, ist es mir nicht möglich gewesen meine Ohropax zu finden. Und so wurde ich angreifbar für jedes Geräusch unserer Mitbewohner im 16er Schlafraum. Auf den acht großen und zugegeben recht bequemen Matratzen können jeweils zwei Menschen jeden Geschlechtes einen Schlafplatz finden. Der Raum ist winzig und würde man seinen Arm austrecken, könnte man die Matratze des Nebenan berühren. Wie ich nun mitten in der Nacht geplagt von zwei schnarchenden Menschen, drei Partyeulen und einer Dame mit Reizhusten in meinem Bett liege, frage ich mich: Wieso liegst du eigentlich hier und nicht in einem hübsch dekorierten Schlafzimmer im persönlichen Lieblingsbett neben Oleg in eurer 3Zimmer-Traumwohnung in Berlin?

Während meine Freundinnen Häuser bauen oder ihre ersten eigenen Wohnungen beziehen um dem ewigen WG-Leben zu entfliehen, entschied ich mich für ein Leben ohne Wohnsitz. Wir Frauen träumen häufig von dem Moment in dem man die zauberhafte Macht besitzt die eigenen vier Wände einzurichten, zu dekorieren und zu bewohnen: Bilder an den Wänden, Flohmarktmitbringsel im Flur und das gute Geschirr von Oma im Schrank. Bevor es Zeit für diese Phase meines Lebens wird, habe ich mich also für das Leben im Schlafsaal mit 14 Fremden entschieden. Wir sind seit fünf Wochen auf Weltreise und ich klage bereits darüber. Wie sollen wir so ein Jahr lang die Welt bereisen? Die Wahl ist gefallen – rastlos statt sesshaft. Unter Menschen in Thailand statt unter uns in Berlin.

Nun gilt es diese Lebensphase individuell an unsere Bedürfnisse, Wünsche und Ansprüche anzupassen und dementsprechend im ersten Schritt herauszufinden welche Unterkünfte am besten zu uns passen. Hotel, Airbnb, Couchsurfing oder Hostel? Ein, zwei oder drei Sterne? Doppelzimmer oder Schlafsaal? 5, 10 oder 15 Euro die Nacht?

Ich war stets diejenige, die Oleg von der Wahl Hostel statt Hotel überzeugen wollte. Hostels sind schließlich eine häufig preisgünstige Alternative zu einem Doppelzimmer im Hotel. Außerdem bieten sie den Vorteil, dass man sich mit anderen Backpackern austauschen kann, Geheimtipps ergattert und manchmal sogar kostenlosen Zugang zu Büchern & Reiseführern hat. Was spricht also dagegen?

Der Geruch von Fuß, Urin, verbrauchter Luft und Mensch. Haare von anderen Menschen, überall. Belegte Toiletten und Duschen. Geräusche wie Schnarchen, Pupsen, Brechen und knackender Finger. Als Extra bekommt man einen Locker ohne Schloß, in den eine von drei Taschen passt. Wenn einen dann die Hostel-Mitarbeiterin beim kostenlosen Cornflakes-Breakfast beim ersten Nachschlag schon böse anschaut, fängt das Leben im Hostel erst richtig an. Anstatt das Frühstücksverhalten der Gäste zu beobachten, sollte diese Lady lieber üben Kaffee zu kochen, den man trinken kann. In diesen Momenten zwinge ich meinen Kopf sich das unschlagbare Verhältnis von Preis und Leistung aufzurufen. Ein Dach über dem Kopf, ein halbwegs sauberes und bequemes Bett mit Klimaanalage plus Frühstück für 3,75 Euro die Nacht? Ich weiß, ich sollte nicht meckern. Es lag nicht an dem Hostel, sondern an der Masse an Menschen, die ebenfalls auf Schnäppchenjagd für einen Schlafplatz in Bangkok waren. Auch ist das Hostel-Leben allgemein nicht immer schlecht, aber ich bin mir fast sicher, dass ihr alle wisst was ich meine, oder?

Mein Paps sagt immer etwas, dass an dieser Stelle erwähnenswert ist. Er meint, dass er durch das reisen zwar Freiheit erlebt, vor allem aber seine Heimat und sein Zuhause besonders schätzen lernt.

Was ich in Deutschland zurückgelassen habe war ein Leben, dass mir im Alltag mehr Komfort geboten hat. Der Mensch als Gewohnheitstier lernt erst mit der Zeit diese Ansprüche zu verändern. In dieser Findungsphase befinde ich mich aktuell – wie reisen/schlafen wir am besten und welche Ansprüche werden wir ablegen oder beibehalten? Ich weiß noch nicht ob das Sparfuchs-Hostel-Leben als freiwillige Wahl mir noch so lieb wird, wie ich es mir selber wünschen würde, aber es wird noch genug Länder geben, die uns finanziell vor keine andere Wahl stellen. Jetzt wird es erstmal Zeit für einen Locationwechsel: raus aus dem Hostel im Großstadtdschungel, rein in eine gemütliche, ruhige Airbnb Wohnung im natur- und kulturvollen Chiang Mai! 

Lest mehr über unsere Stressbewältigung in Chiang Mai – hier.

Dieser Artikel wurde auch im Online-Magazin reisereporter veröffentlicht. Siehe hier!

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