Jaipur: Sightseeing deluxe

Jaipur: Sightseeing deluxe

pinke sonnenuntergänge

Unsere Zugfahrt von Delhi nach Jaipur dauerte etwa fünf Stunden und wir waren mehr als zufrieden mit diesem Erlebnis. Zug fahren in Indien – das ruft Assoziationen von Menschenmassen und Chaos hervor. Wir ergattern jedoch zwei gemütliche Sitzplätze in einem sauberen Zugabteil inklusive Verpflegung. Uns wurden englischsprachige Zeitungen, Wasser, Tee und Frühstück serviert. Letztlich war die Zugfahrt fast wie eine Ruheoase im Vergleich zu allem was uns Delhi zu bieten hatte. Als wir gegen 11 Uhr in Jaipur ankamen, wurden wir von den Rikschafahrern überrannt, die unser Misstrauen erahnten und versuchten unser Vertrauen zu gewinnen. Am Ende ließen wir uns in einem Tuktuk namens Angela zu unserem Hotel fahren. Stolz zeigte uns der Fahrer eine Art Gästebuch, das er sich zugelegt hatte. Zwei Schweizerinnen hatten darin einen Text auf Deutsch verfasst, in welchem sie ihn als Fahrer lobten und berichteten wie toll dieser Mann sei. Wir waren verwirrt. Ist das süß oder ist das eine Falle, die wir noch nicht erkennen? Auf touristische Fallen würden wir noch häufiger im Laufe des Tages treffen. Unser Hotel war in Ordnung, abseits gelegen, aber dafür mit einer sehr netten Dachterasse ausgestattet. Da in Indien die Mehrzahl der Häuser mit Flachdächern bestückt ist, war das letztlich weniger besonders. Für den Zweck den Sonnenuntergang zu beobachten jedoch eine praktische Sache.

Unseren ersten Stadtrundgang starteten wir hungrig, was sich als Fehler erwies. Die Straßen Jaipurs sind nicht so stressig wie in Delhi, aber noch lange nicht entspannt. Viel Verkehr, viel Müll und permanentes Hupen stehen auch in der pinken Stadt auf der Tagesordnung. Diese Kulisse sorgt für ein durchgehendes Stresslevel, welches mit dem Gefühl von Hunger explosiv wirken kann. In den Bewertungen unserer Unterkunft hatten wir bereits erfahren, dass unser Hotel nicht im Zentrum liegen sollte. Dass es jedoch so schwierig und langwierig werden würde ein Lokal zu finden war uns nicht bewusst. Wir landeten am Ende in einer LonleyPlanet-Empfehlung – Lassiwala. Ein Imbiss, der Lassi (Yoghurt-Drink) und Snacks anbietet. Ein beliebter Laden mit humanen Preisen! Gestärkt, aber auf dem besten Weg in ein tiefes Müdigkeitsloch zu fallen, beschlossen wir einen Abstecher in den Central Park Jaipurs zu machen. Die Sonne war seit unserer Ankunft auf unserer Seite und so verbrachten wir etwas Zeit im Grünen. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, dass ich 1,5 h später einen Liebesbrief an eine Frau namens Eva schreiben würde – auf Deutsch.

Seit wir uns in Nepal in Masala-Tee verliebt hatten, waren wir auch in Indien weiter auf einem süßen Teetrip. Hier gab es für uns jedoch Chai: IngwerTee mit Milch und viel Zucker. Jaipur machte es uns schwer Tee & Essen zu finden, doch ein Laden sah aus, als hätte er Potenzial. Während wir noch die Karte studierten, hatte sich ein Mann zu uns gesellt und versuchte uns zu helfen. Es ist schwer zu sagen, wieso es wirklich dazu kam, aber fünf Minuten später erklärte dieser hilfsbereit wirkende Mann uns, dass er eine deutsche Freundin namens Eva habe, der er so gerne einen Brief schreiben würde. Leider sei sein Deutsch zu schlecht und vielleicht könnten wir den Brief zusammen schreiben/übersetzen. Es schien schwer diese Bitte abzulehnen, die so harmlos, wenn auch absurd wirkte. Für die grenzenlose Liebe! Nachdem er sein Herz ausgeschüttet und ich es für ihn auf Papier gebracht hatte, berichtete er uns von einem „Geheimtipp“ zum Shoppen. Er würde uns gerne helfen dorthin zu gelangen und wir könnten ihm auch sagen, welche Produkte wir gerne kaufen würden. Jetzt wo wir ihm einen Gefallen getan hatten, wollte er uns auch etwas Gutes tun. Da war er nun, auf einem Silbertablett serviert – der Moment der Offenbarung und Grund für sein Handeln. Wir waren nicht interessiert und schüttelten noch am nächsten Tag unseren Kopf über diese verrückte Aktion.

Unsere Reise durch Indien hat bisher keinen festen Zeitplan, da wir so flexibel wie möglich bleiben wollten. Dass sich unser Aufenthalt in Jaipur verlängern würde, ergab sich am nächsten Morgen auf unserer netten Dachterasse. Dort lernten wir Mark kennen, einen eingefleischten Reisenden aus England, der Indien das erste Mal bereits vor 22 Jahren bereiste – im Jahr 1995. Damals, als man aus dem Bahnhof tapste, den mitgebrachten Lonley Planet aufschlug und auf eine empfohlene Unterkunft zeigte, zu der der Taxifahrer einen bringen sollte. Mark hatte schon vieles gesehen, vieles erlebt und machte dein Eindruck noch in 30 Jahren die Welt zu bereisen. Aktuell interessiere er sich vor allem für das Thema „Ruhestand im Ausland“. Er erzählte uns viele Geschichten von seinen Reisen und wir verschlungen die Erzählungen seiner Abenteuer, hingen förmlich an seinen Lippen. Es fehlte nur der passende Sitzkreis für die Märchenstunde. Er war mit seiner Lebensgefährtin Louise im Hotel, die beiden hatten sich vor rund einem Jahr online kennengelernt. Sie wollte schon immer nach Indien reisen, jedoch nicht allein. Mark bot sich als Indien-Guide an und schon waren die Flüge für ein dreiwöchiges Abenteuer gebucht. Eine frische, neue Liebe.

Später an diesem Tag sollten wir mit einem pinken Sonnenuntergang belohnt werden – das bisher einzig Pinke, was diese Stadt zu bieten hat. Was Jaipur sonst so kann? Es gibt einige Touristenattraktionen und viel Bazar. Ganze Viertel bzw. Straßen werden dabei einer Thematik zugeordnet – Schmuck, Kleidung, Gewürze etc. Außerdem gibt es einige Burgen & Paläste, die es zu besichtigen gilt. Beim Abendessen im Hotel mit Louise & Mark wurde uns eine doppelseitige Karte mit allen Ausflugszielen vorgelegt und wir suchten uns drei Attraktionen aus, die wir zu viert mit einem privaten Fahrer erkunden wollten. Wir fühlten uns ganz schön nobel – ein Auto & Fahrer, nur für uns. Das Amber Fort, das Jaghar Fort und der Wasserpalast waren unsere Route für den nächsten Tag.

Das Amber Fort war riesig und wirkte sehr beeindruckend. Zuerst fielen mir die Elefanten auf, die die Touristen auf ihrem Rücken den steilen Weg zum Fort hinauftrugen. Ein Anblick, der meinen Kopf zum Schütteln bringt. Die Elefanten selbst faszinierten mich, wie sie wie selbstverständlich an mir vorbeistapften. Die Umstände waren jedoch fragwürdig. Wir nutzen die Treppen und stellten oben fest, dass man für weitere Eindrücke einen Eintrittspreis von 500 Rupees pro Person zahlen muss (für Studenten nur 100 Rupees). Das war in Mahlzeiten umgerechnet ganz schön viel Geld, aber wir probierten es aus. Letztlich waren wir uns einig, dass es das Geld nicht unbedingt wert war, die Fahrt zum Fort jedoch schon. Und wenn man schon mal da ist? Das Jaghar Fort war sehr unbeeindruckend und der Wasserpalast war für mich ein ganz neuer Anblick, der jedoch, sobald man sich umschaute, schnell negativ belastet wurde. Die Promenade, auf der alle möglichen Dinge verkauft werden, war voll mit Müll. Es war im Gesamtbild kein schöner Ort, so eindrucksvoll der Palast auf dem Wasser auch wirken mag.

Letztlich ist Jaipur für uns schwer greifbar gewesen, was an der Lage unserer Unterkunft gelegen haben mag. Uns war nie ganz klar in welchem Bereich der Stadt wir uns befinden, wo eigentlich so etwas wie das Zentrum sein mag, wo eigentlich andere Touristen schlafen oder wo man richtig gut essen kann. Wir haben letztlich eine Straße gefunden, auf der wir gutes, günstiges Thali bekommen haben. Trotzdem fühlten wir uns etwas verloren in dieser Stadt. Auch Maps.Me hat uns teilweise im Stich gelassen & in Sackassen geführt. Längst kein Geheimtipp mehr, aber trotzdem spektakulär war die Aussicht vom Wind View Cafe auf den Hawa Mahal zum Sonnenuntergang. Direkt daneben gibt es das Tattoo Cafe, das weniger gut besucht, aber mit dem gleichen Ausblick dienen kann. Vielleicht entwickelt die Stadt ihren Reiz, wenn man länger bleibt und sie versteht. Für uns war sie nur Mittel zum Zweck – eine Stadt auf der Durchreise Richtung Wüste. Und ein Vorgeschmack: die ersten Kamele haben wir bereits hier gesehen. Und viele Schweine.

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