Jodhpur: ein Gefühl von Heimat

Jodhpur: ein Gefühl von Heimat

wie wir in jodhpur familie fanden

Es ist längst kein Geheimnis, dass Menschen unsere Reisen unvergesslich machen. Momente, Erinnerungen, Gespräche. Diese Bilder bleiben in unseren Köpfen fest verankert und können viel länger und deutlicher in unseren Köpfen gespeichert werden als die Bilder von Sehenswürdigkeiten. Wir reisen lang, aber zu zweit. Und das zu zweit gibt uns die Möglichkeit uns manchmal einfach in unserem Paar-Kokon zu verkrümeln und für uns zu sein. Wir könnten Abende auf dem Hotelzimmer verbringen und werden uns nicht allein fühlen. Ein Vorteil, aber auch ein Nachteil. Als Alleinreisender schubst man sich häufiger in neue, ungewisse Situationen oder erlebt sie ohne etwas dafür zu tun – weil andere Alleinreisende Gesellschaft suchen. Als Paar werden wir manchmal einfach schon als komplette Einheit betrachtet, die Außenstehende begutachten und grüßen, aber für sich lassen. In Jodhpur, der blauen Stadt, haben wir einen Ort gefunden, der es so einfach macht Menschen zu treffen, zu erleben und sich auszutauschen, dass wir uns ab der ersten Minute aufgefangen und willkommen gefühlt haben. Und so hat es dieser Ort geschafft uns innerhalb kürzester Zeit ein Gefühl von Zuhause zu vermitteln.

Jodhpur war das Ziel unserer ersten Busfahrt in Indien. Es wurde Zeit Pushkar zu verlassen und sich von Mark & Louise zu verabschieden. Wir hatten die beiden gern und wurden in unserer 4er Konstellation häufig für eine Familie gehalten. Auf Kosten unserer Nerven konnten wir noch immer keine Zugtickets eigenständig und online kaufen, was uns am 1. Weihnachtsfeiertag unnötigen Stress verursachte. Verzweifelt und deprimiert wanderten wir also in eine Travel-Agency und fragten nach, ob es einen Bus nach Jodhpur am nächsten Tag geben würde. Wir schätzen unsere Hoffnung als gering ein und fanden zuvor keine einzige direkte Verbindung über das Internet. Fünf Minuten später hatten wir zwei Bustickets für den nächsten Morgen – Direktverbindung, Local-Bus, preiswert. Unsere beiden Verkäufer in der Travel-Agency lächelten zu viel und freuten sich zu sehr, sodass wir sehr misstrauisch, fast schon ängstlich, vor dem was uns am nächsten Morgen erwarten würde, unsere letzte Nacht in Pushkar antraten. Um 6:30 Uhr morgens standen wir auf einem großen Platz, der wenig beleuchtet war. Zwei Lagerfeuer und darum sitzende Männer sorgten für die richtige Atmosphäre. Doch unsere Erleichterung folgte schnell: da stand ein Bus und wir würden heute voraussichtlich Jodhpur erreichen. Weil wir uns dieser Tatsache so unsicher waren, hatten wir keine Unterkunft reserviert und mussten sechs Stunden später erst einmal ein paar Hotels abklappern. Das Schicksal meinte es sehr gut mit uns und wir landeten in Dylans Cafe & Guesthouse. Sieben Zimmer, eine gemütliche Dachterrasse und ein Katzenbaby namens Baboo standen hier zur Verfügung. Wir waren sofort mit dem Zimmer zufrieden und verliebten uns in den Ausblick der Dachterrasse direkt auf das Fort. Und natürlich in das Katzenbaby. Am ersten Abend in der Unterkunft saßen wir stundenlang mit einem indischen Pärchen aus Bangalore und dem Besitzer des Gästehauses, Amin, zusammen auf der Terrasse. Wir kuschelten uns in dicke Decken und erzählten unsere witzigsten Anekdoten und Erlebnisse der letzten zwei Wochen in Indien. Die drei Inder amüsierten sich prächtig und zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Indien fühlten wir uns geborgen, sicher und akzeptiert. Wir wurden nicht verrückt angestarrt, uns wurde keine Touristenattraktion angedreht und wir hatten keine Sorge in eine Falle zu tappen. Wir löcherten die drei mit aufgestauten Fragen und bekamen viele Antworten. Wir waren entspannt und gelöst, wir waren glücklich. Und das tat uns wirklich sehr gut. Die Stimmung war prächtig, wir aßen gemeinsam Abendessen und saßen stundenlang zusammen. Das Paar aus Bangalore lud uns zu sich ein und wir tauschten Handynummern aus. Amin bot uns an in seinem Gästehaus zu bleiben und, wie bei Work-Away, für ihn zu arbeiten gegen Kost & Logis. Unsere Reisepläne für die nächsten Monate waren relativ fix und trotzdem überlegten wir zwei Tage lang, ob es eine Option gibt, in der wir ein anderes Reiseziel für diese Gelegenheit aufgeben können. Es war etwas, das wir unbedingt auf unserer Reise machen wollten und vermutlich würden wir in den teureren Ländern sogar intensiv danach suchen müssen. Jetzt wurde uns diese Möglichkeit angeboten, doch wir mussten dankend ablehnen. Ein positiver Nebeneffekt war jedoch ein Gefühl von Vertrauen. Wir vertrauten Amin, wir mochten ihn und sein Gästehaus und so machten wir unsere Silvester-Kamel-Safari mit seinem Bruder, transportierten Geld & neue Nikes für ihn und sogen all seine Unterstützung wie ein Schwamm auf. Er gab uns das Gefühl bei ihm Zuhause zu sein, zur Familie zu gehören, angekommen zu sein. Wir verbrachten insgesamt fünf Nächte in Dylans Guesthouse und können euch diese Unterkunft wärmstens an Herz legen – unser erstes Zuhause in Indien. Wir verbrachten jeden Abend auf der Dachterrasse und trafen so viele Reisende, mit denen wir Kontaktdaten austauschten und uns Reiseinspirationen holten. Zwei junge Franzosen, ein Paar aus Südamerika, ein Koreaner, zwei Französinnen, ein Inder und viele mehr. Die Vielfalt der Gäste war erstaunlich und ausgeglichen gemischt. Bei gutem Chai, den Beatles im Hintergrund und einem Ausblick, der besser nicht sein könnte, hätten wir unseren Aufenthalt wirklich gerne verlängert.

Er plant in seinem Heimatdorf in der Gegend um Jaisalmer ein Resort aufzubauen und ich weiß bereits jetzt, dass ich gerne ein Teil von diesem Projekt sein würde. Ich würde ihm gerne etwas zurückgeben und ihn unterstützen, weil er die Herzlichkeit und Gastfreundschaft Indiens für unsere Augen geöffnet hat. Und so passiert es wieder, dass meine Bucketlist wächst, statt zu schrumpfen. Nach fünf Monaten eröffnet uns die Weltreise neue Möglichkeiten und Denkweisen, zeigt uns neue Orte und erschafft neue Träume.

 

Und Jodhpur? Eine Stadt, die ihr euch definitiv ansehen solltet. Die vielen blauen Häuser haben etwas magisches und der Marktplatz lädt zum Bummeln ein. Nicht verpassen für den kleinen Hunger zwischendurch: den Omlette-Mann, ein Klassiker. 

 

 

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