Pai: Backpackerparadies

Pai: Backpackerparadies

urlaubsoase oder touri-mekka?

Das erste Mal hörten wir von Pai bereits in Bangkok. Ein Mitarbeiter einer Travel-Agentur öffnete eine Mappe mit in Klarsichtfolie verpacken Bildern. Die Folien war dreckig und alt, die Bilder von Pai nicht schlecht. Typische Google-Bilder und für den ersten Moment nichtssagend. Die Pläne und Budgetvorstellungen unserer Reiseroute wichen jedoch sehr stark von denen des Mitarbeiters ab und wir behielten die Stadt mit den hübschen Bildern erstmal im Hinterkopf. Jetzt sind wir hier – welcome to Pai.

In Chiang Mai haben wir recherchiert und beschlossen einen Wochenend-Abstecher nach Pai zu machen. Am Busbahnhof (Bus Terminal Arcade) kauften wir uns Tickets für 150 Baht pro Person und heute ging es für 3 Stunden inkl. Pause mit dem Minivan durch den Dschungel.

Hinweis: Über 12goasia gab es die Tickets online für 195 Baht und in den Travelagenturen für 200 Baht inkl. Transfer vom Hotel zum Busbahnhof.

Bereits zuvor hatten wir gehört, dass diese Fahrt aufgrund der bergigen und kurvigen Landschaft nicht für jeden Magen einfach zu verdauen ist. Glücklicherweise war unser Fahrer sehr kompetent, überholte nur wenn ich es auch getan hätte und fuhr uns geschmeidig die 130 km über Stock und Stein durch die Wildnis nach Pai. Das klingt vermutlich schlimmer als es wirklich ist. Es gab eine geteerte Straße und lediglich die Dauer des Kurvenparcours kann für den ein oder anderen Mitfahrer durchaus anstrengend werden. Oleg und ich haben die Fahrt gut überstanden. Die Aussicht war super! Der dauerhafte Wechsel von Regen & Sonne bot uns den Anblick der schönste Regenbogen mitten in den Bergen. Ab und zu stand eine Art Kuh auf der Straße, aber an sich war die Fahrt gut zu meistern. In der Pause gab es ein reichliches Angebot an vielen leckere Snacks, Eis und Kaffee. Der Busbahnhof in Pai liegt mitten in der kleinen Stadt und von dort aus ist jedes relativ zentral gelegene Gästehaus/Hostel etc. fußläufig erreichbar. 

Update: Auf dem Rückweg musste sich dann doch jemand übergeben. Glücklicherweise nicht wir!

Am späten Nachmittag erreichten wir unser Gästehaus. In Pai gibt es viele Unterkünfte mit einfachen Bambushütten ab 250 Baht pro Nacht. Wir sind im Ming Guesthouse untergekommen. Die Bewertungen waren vielversprechend und es wird sogar mit einer kürzlichen Renovierung geworben. Wir haben uns leider überhaupt nicht wohl gefühlt. 

Am ersten Abend wird die Walking Street zu einem von der Größe her überschaubaren Nachtmarkt. Die Auswahl an Köstlichkeiten hingegen ist unendlich. Bei einem ersten Gang über den Markt wollte ich mir am liebsten Stift & Zettel nehmen um zu notieren wo ich was probieren möchte. Ich hatte das Gefühl mir einen Plan machen zu müssen an welchem Abend ich was davon essen kann, um von diesem reichlichen Angebot so viel wie nur möglich zu testen. Es fühlte sich an, als wäre ich auf der Limmerstraße in Hannover Linden gelandet, auf der ein thailändischer Streetfood-Markt seine essbaren Schätze präsentiert: Avocado-Salat, Burger, Falafeltaschen, Sushi, Avocado-Smoothie, Avocado-Bruschetta (dunkles Brot), Lasagne, Crepes, Burritos, Kebab und viele auf Vegetarier & Veganer zugeschnittene Produkte.

Die Auswahl an unterschiedlichen Snacks war enorm und von indischer über italienischer und thailändische Küche war hier alles vertreten. Sehr empfehlenswert war für uns das Eis mit den selbstgemachten Waffeln (Banana-Chocolate-Chip war himmlisch für 59 Baht). Außerdem waren die Smoothies von My Little Shake Shop, gegenüber vom “Pai Siam Bistro”, super lecker. Klarer Favorit: Mango Shake mit Coconut Milk. 

Die Falafeltasche von Queen Falafel für 120 Baht wirkt doch verhältnismäßig teuer, ist ihr Geld aber absolut wert. Das Pitabrot ist bis zum letzten Rand gefüllt mit Salat, Sauce & Falafel. Tres bon! Sushi war spottgünstig (5 Baht pro Stk.) und überraschend lecker. Wir haben den Sushi-Stand gegenüber von Pai Explorer zu unserem Liebling erklärt. Vermutlich nehmen sich die Stände aber qualitativ nicht viel. 

Zusätzlich zu der Auswahl an Essen gibt es Souvenirs, T-Shirts, Taschen & Co – alles was das Touristenherz begehrt. Auf der Walking Street befinden sich zusätzlich mehrere Bars & Cafés, die zeitgleich geöffnet haben. Das Lokal “Pai Center” hat uns häufiger mal gekonnt mit einem Smoothie versorgt und in der Espresso Bar konnten wir sehr entspannt lesen & schreiben. 

Am zweiten Tag beschlossen wir einen Roller zu mieten. Höre ich da das Wort Roadtrip? Korrekt. Es wurde erneut Zeit die atemberaubende Gegend aus Bergen & Dschungel mit einem Scooter zu erkunden. In Pai gibt es viele Shops in denen sich ein Backpacker einen Roller mieten kann für 100-250 Baht pro 24 Stunden (Passport als Pfand benötigt). Lest hierzu den Beitrag Pai: Roadtrip.

Pai wurde für mich zu einer Stadt, die mir ein schlechtes Gewissen machte. Eine Stadt, die mich über mein Alter grübeln ließ. Eine Stadt, bei der man das Gefühl hat abends um 21 Uhr nicht im Bett liegen zu sollen. Es gibt reichlich Backpacker und noch viel mehr Bars in denen sich die Hippies und Hipster rumtreiben. Wer nach Party in Pai sucht, wird garantiert welche finden. Oleg gab ihm liebevoll den Spitzenamen “Lloret 2” und auch wenn dies eine starke Übertreibung ist, waren wir doch überrascht ein solches Nachtleben in diesem kleinen idyllischen Städtchen zu finden. Und ich muss zugeben, dass die Bars wirklich ansprechend aussehen – Live-Musik, Sitzecken, Schaukeln, Bierpong, Pooltable, entzückende Lichtdekoration und viel Holz. Manch eine Bar könnte man glatt auf den E-Damm der Nordstadt stecken und sie würde reichlich besucht werden, versprochen. 

Unsere Unterkunft hat Pai leider nicht zu einer Urlaubsoase werden lassen. Viele Bewertungen, die wir gelesen haben, entsprachen dem gleichen Eindruck. Zum Teil sind die Gästehäuser veraltet und es wird sich wenig um deren Zustand gekümmert. In einer höheren Preisklasse lassen sich dort mit Sicherheit auch kleine Oasen finden – uns blieb diese Assoziation jedoch weit entfernt. Die Umgebung von Pai ist wirklich schön zu erkunden und einen Wochenendausflug wert. Es waren traumhafte Eindrücke und wir hätten gerne noch mehr gesehen. Die Massen an Backpackern, die durch die Straßen Pais laufen oder einem auf dem Roller entgegen kommen, waren erstaunlich. Es ist paradox, wie wir als Reisende immer auf der Suche nach den schönsten Orten, am besten Insider-Tipps sind, und diese dann für uns ganz allein haben wollen. Viele Touristen sind in der Theorie eine Bestätigung für einen guten Reisetipp, ein schönes Reiseziel. In der Praxis sieht man “zu viele Touristen” wieder als negatives Merkmal – überlaufen, überteuert, unauthentisch. Pai liegt noch unterhalb dieser Grenze, an der eine Stadt zu touristisch wird. Aber für die Größe der Stadt ist das Verhältnis Backpacker / Locals schon ziemlich beeindruckend (oder beunruhigend). Glücklicherweise bietet die Stadt vielfältige Möglichkeiten und von Trekking über Yoga, Party oder Elefanten wird sich jeder seinen Urlaub im hübschen Pai gestalten. Die Verteilung macht’s! 

Wir haben auch eine Trekking-Tour gemacht, auf eigene Faust. Lest mehr dazu hier!

 

 

 

TEILE DIESEN POST


Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *