Slow-Boat Trip: Thailand bis Laos

Slow-Boat Trip: Thailand bis Laos

mit dem slow-boat über den mekong schippern

Wir sind gut im frühzeitig planen und buchen. Ich würde so weit gehen und uns Profis auf diesem Gebiet nennen. Geschicktes Vergleichen, die größten Schnäppchen und für jeden Anlass eine passende Website in petto. Wenn es darum geht etwas mehr spontan zu reisen und vor Ort zu buchen (Bus, Unterkunft etc.) werden wir noch etwas nervös, sind aufgeregt und etwas misstrauisch. Doch die wahren Schnäppchen macht man meist vor Ort und deshalb wollten wir auch diese Art zu reisen testen – bei unserer Reise von Thailand nach Laos.

In Chiang Mai (Thailand) informieren wir uns zuerst wie die Preise für Gesamtpakete sind und wie deren Ablauf funktioniert. Die Preisspanne lag zwischen 1800-2500 Baht und beinhaltete immer das gleiche Programm:

TAG 1

  • Start Chiang Mai nach Chiang Khong
  • Besuch Wat Rongkhun
  • Übernachtung Chiang Khong (inkl.)

TAG 2

  • Frühstück & Check Out
  • Grenzübergang / Visa on Arrival
  • Taxi zum Slow-Boat Pier
  • Slow-Boat nach Pakbeng
  • Übernachtung Pakbeng (nicht inkl.)

TAG 3

  • Slow-Boat nach Luang Prabang
 
Wir entschieden uns gegen diese Option und für die Alternative vor Ort Tickets zu besorgen und zu schauen wie es weitergeht. Im Internet gibt es viele hilfreiche Reiseblogs, die den Länderübergang auch ohne Komplett-Tour gemeistert hatten. Meist waren diese jedoch schon etwas veraltet und für eine aktuelle Version müssten wir unsere eigenen Erfahrungen machen.
 
Unsere Reise begann in Chiang Mai: Für 129 Baht pro Person sind wir mit dem Greenbus nach Chiang Rai gefahren – eine gängige Route & auch das Busunternehmen wird von vielen Backpackern gewählt. Nach zwei Nächten im Grandma Kaew Guesthouse (sehr empfehlenswert!) in Chiang Rai sollte es weiter über die Grenze nach Bokeo / Huay Xiay gehen. Laut existierenden Reiseberichten sollten wir morgens um 10 Uhr in einen Bus steigen und mit diesem an die Grenze Thailand/Laos fahren. Als wir an einem Mittwoch morgen früh um 8 Uhr das Haus verließen, war uns noch nicht klar, dass diese Verbindung heute nicht fahren würde. Am Chiang Rai Bus Terminal 2 angekommen, sollten wir feststellen dass Mo, Mi, Fr und So immer nur ein Bus pro Tag fährt – und zwar um 12:30 Uhr. An allen anderen Tag gibt es zwei Verbindungen pro Tag – um 10 und um 16:30 Uhr.
 
Nun blieben uns vier Stunden Wartezeit, die für Kartenspiele, Smoothies und ein frühes Mittagessen genutzt wurden. Als um 12:30 Uhr ein ziemlich alter Bus einfuhr, waren wir kurz überrascht: ein Schlafbus. Damit hatten wir bei einer Busfahrt, die drei Stunden dauern sollte, nicht gerechnet. Es stellt sich heraus, dass die Verbindung um 12:30 der Start einer 18h Nachtbus-Direktverbindung nach Luang Prabang ist. Hervorragend, wir haben die Schlafkabinen kaum vermisst! (mehr dazu)
 
Diese Busfahrten sind immer wieder ein Erlebnis. Mit einer halben Stunde Verspätung startete der zu 90 Prozent gefüllt von Backpackern gefüllte Nachtbus Richtung Grenze. Ein thailändisches Paar war auch an Bord. Im Bett neben uns hatte sich ein älterer Mann mit 28 Fleischspießen eingedeckt und hatte bereits zwei Minuten nachdem wir eingestiegen waren fünf davon verspeist. Es roch penetrant nach Fett & Fleisch. “Kannst du ein Bild von mir machen?” – Der Holländer neben uns hatte sich innerhalb von fünf Minuten eingekuschelt und seine Augenklappe aufgesetzt – er konnte es gar nicht erwarten zu schlafen. Es gab Snackpakete für die 18-Stunden-Traveller und diese durften auch schon die Ausreisepapiere ausfüllen – wir nicht, wir sollten das an der Grenze machen. Einer unserer drei Fahrer erklärte uns dies in seinem besten Englisch. Wir glaubten noch ein Paar gesehen zu haben, welches auch in Bokeo aussteigen wollte und klammerten uns gedanklich schon mal an die beiden.
 
Kurz nach dem Ort Chiang Khong wurden wir an der Border Control rausgelassen, um unseren Ausreisestempel zu erhalten. Auf der anderen Seite der Kontrolle wartete der Bus auf uns. Nachdem alle Passagiere die Kontrolle überstanden hatten, ging es weiter zur Visa-Stelle Laos. Dort hieß es für uns Check-Out aus dem Bus und Visa-Papiere ausfüllen. 60 Dollar und zwei Passbilder ärmer (für zwei Personen) hatten wir unser 30-Tage Visum für Laos in der Tasche. Direkt an der Visa-Stelle befindet sich eine Tuktuk-Station, die Reisende wie uns in das Zentrum Huay Xais bringen sollte. Mit vier anderen Backpackern teilten wir uns ein laotisches Taxi für 80 Baht pro Person: Wie ein Schnapper fühlte sich das nicht an, aber unser Verhandlungsgeschick war wenig gereizt. Unter den Backpackern war auch das Paar, welches wir uns bereits als Sicherheit geangelt hatten – zwei junge Schweizer. Sie würden uns bis zur Ankunft in Luang Prabang begleiten. Unsere Unterkunft, das Hom Pho Guesthouse, war schlicht und einfach, aber sauber. Uns wurden zwei Räume gezeigt und wir wählten den mit Doppelbett. Klimaanlage, kostenloses Wasser und Shampoo – alles war gegeben. In der näheren Umgebung gab es viele andere Homestays und auch genug Restaurants oder Minimarts zur Verpflegung.
 
Am nächsten Morgen beschlossen wir zeitig das Guesthouse zu verlassen, den einen Kilometer zum Fähranleger zu marschieren und dort gemütlich zu frühstücken. Es hieß: je früher man dort sei, desto weiter vorne wären die Sitzplätze, die man bekommen würde. Vorne wäre es nicht so laut wie hinten direkt am Motor. So standen wir um 8:30 Uhr am Ticket Office und sicherten uns Platz 5&6, check! Am Anleger gibt es mehrere Lokale, die Frühstück, Smoothies und belegte Baguettes verkaufen. 
Bis 9:30 Uhr sahen wir erstmal keine andere Touristen vor Ort. Danach trödelten vereinzelt ein paar Reisende ein und um 10:30 Uhr kam ein ganzer Van mit Backpackern, die voraussichtlich das Gesamtpaket gebucht hatten. Ab 11 Uhr suchten sich alle ihren Platz auf dem Boot, verstauten ihr Gepäck und machten es sich gemütlich. Mit jedem Passagier gingen gefühlt drei Snacktüten mit Baguettes, Chips, Nüssen, Obst und viel Bier an Bord. Das Slow-Boat war komplett voll mit schätzungsweise 70 Passagieren, von denen 98 % Touristen waren. Ohne den Fahrtwind war es sehr warm und stickig unter dem Dach des Bootes. 
  
Die sechsstündige Bootsfahrt verlief unspektakulär. Sechs Stunden sind durchaus unangenehm für den eigenen Popo, aber die Landschaft des Mekong-Ufers konnte das immer wieder gut machen. Die trinkenden Passagiere hatten sich im hinteren Teil des Bootes zusammengefunden, der Rest hörte Musik, war mit Lesen beschäftigt oder tauschte Reisegeschichten aus. Um 17:15 Uhr hatten wir Pakbeng erreicht, ein Dorf Mitten im Nirgendwo, welches gefühlt nur aus Gästehäusern direkt am Mekong bestanden. Die 70 fröhlichen Backpacker wollte nun mit einem Schlafplatz versorgt werden. Wir hatten vorher im Internet über Booking & Agoda die Preise geprüft und festgestellt, dass kaum etwas für unter 20 Euro verfügbar war. Ich hatte gelesen, dass man gerade in Laos vor Ort günstigere Preise bekommt. In Thailand und Vietnam konnten wir das bisher nicht so bestätigten und haben durch Online-Rabatte und Coupons immer günstiger gewohnt als bei einer Buchung direkt vor Ort. Dass das in Laos jedoch gut klappt, müssen auch viele Backpacker gelesen haben und so ging eine riesige Gruppe mit Rucksäcken bepackter junger Menschen zwischen 20-30 Jahren durchs Dorf.
 
Wir fanden ein pinkes Zimmer für 5 Euro die Nacht und es machte einen sauberen Eindruck. Im Dorf wurde es schnell dunkel und man konnte nur noch den Mekong fließen hören. Es roch nach Lagerfeuer von dem Müll, den die Menschen verbrannten. Der Geruch weckte uns auch am nächsten Morgen, den wir mit Frühstück im Guesthouse starteten.
 
Um 9:30 (geplant: 9 Uhr) starteten wir den zweiten Teil der Tour. Auf dem Weg zum Boot gibt es viele kleine Bäcker & Stände an denen man sich mit Snacks versorgen kann. Wir mussten unsere Tickets vorzeigen und wer sein Ticket verloren hatte, musste für 105.000 Kip ein neues kaufen. Der zweite Tag der Bootstour dauerte länger und wenn ich am ersten Tag noch tausende Ideen hatte, wie ich 6 Stunden auf dem Boot verbringen könnte, wurde es bei 8 Stunden Fahrtzeit am zweiten Tag schon schwieriger. Mehr Bücher wäre eine gute Lösung gewesen! Leider hatten die letzten Unterkünfte kein so gutes Internet, sodass die Option Tablet ausgeschlossen war. Nur Oleg hatte noch richtige Bücher in seinem Rucksack: eine Biographie von Steve Jobs & ein Buch, welches sich mit den Dänen als glücklichstes Volk der Erde beschäftigt. Beides waren Geschenke aus meinem letzten Adventskalender für ihn.
 
Obwohl unser Boot mit Touristen befüllt war, fühlte ich mich Laos und seinen Einwohnern bereits sehr nah. Das Slow-Boat hielt regelmäßig an kleinen Dörfchen oder einfach mitten im Nirgendwo an, um Menschen abzusetzen oder einzusammeln, die dort wohnen. Immer wieder sahen wir Menschen am Flussufer – Männer in Booten, Kinder die am Wasser spielten und badeten. Wir sahen Ziegen, Rinder, Wasserbüffel und einen Elefanten. Wir sahen das Leben am Mekong. Die Bilder, die sich uns boten waren menschlich, real und nah. So nah wie wir als Touristen sonst selten kommen. Und wir erlebten eine Kultur in der es kein “geht nicht” gibt. Trotz schweren Gepäcks, zu viel Gepäck und zu vielen Passagieren wurde immer wieder für jeden und alles ein Platz auf diesem Boot gefunden, in dem die Zeit eine lässige & stressfreie Komponente zu sein scheint.
Wir haben unsere Wahl am Ende nicht bereut. Es war die Wahl für drei Reisetage statt 18h Busfahrt und es war die Wahl für Erlebnisse&Bilder, die unbezahlbar sind. Der Fahrtwind, die Landschaft, die Menschen. Die Bootsfahrt bot außerdem eine gute Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.  
 

Zusammenfassung Reisetipps zur Slow-Boat Überfahrt von

Thailand (Chiang Mai/Chiang Rai) nach Laos (Luang Prabang)

1. Etappe: Bus von Chiang Mai nach Chiang Rai
 
Kosten: 129 Baht pro Person
Transport: Greenbus Company
Zeiten: fast jede Stunde Fährt ein Bus, die Preise variieren je nach Bus-Klasse
Fahrtzeit: 3 Stunden
Tickets: Wir haben die Tickets online gebucht auf der Homepage der Greenbus Company. Es gibt in Chiang Mai auch ein Greenbus Ticket Office in der City oder man kann am Busbahnhof Tickets erwerben.
 
2. Etappe: Bus von Chiang Rai nach Huay Xai (Bokeo) 
 
Kosten: 220 Baht pro Person
Transport: Transport Company 
Zeiten: Mo, Mi, Fr, So um 12:30  // Di, Do, Sa um 10 und um 16:30
Fahrtzeit: rund 3 Stunden, dies kann jedoch variieren je nach Betrieb an der Grenze
Tickets: Wir haben die Tickets am Bus Terminal 2 Chiang Rai (5km außerhalb des Zentrums) am Reisetag gekauft. Hätten wir sie am Vortag gekauft, hätten wir gewusst, dass die Busse je nach Wochentag unterschiedliche Abfahrtszeiten haben. 
 
3. Etappe: Slow-Boat von Huay Xai nach Pakbeng
 
Kosten: 105.000 Kip pro Person
Transport: Slow-Boat 
Zeiten: 11:30 Uhr 
Fahrtzeit: 6 Stunden
Tickets: Am Morgen des Abreisetages haben wir die Tickets im Slow-Boat Ticket Office erhalten. Man konnte gleich Tickets für die zweite Slow-Boat Strecke mitkaufen. Die “je früher man kommt, desto weiter vorne sitzt man”-Regel schien bei uns aufzugehen. Als jedoch die riesige Komplett-Packet-Gruppe ins Boot stieg wurde das Prinzip der Sitzplatzvergabe per Ticket aufgelöst und jeder sollte sich einfach hinsetzen. 
Hinweis: Unterkunft in Pakbeng vor Ort aussuchen und Zimmer anschauen. Im Internet gab es nur Unterkünfte für rund 20 Euro die Nacht und vor Ort haben wir viele Unterkünfte für 5 Euro die Nacht gesehen.
 
4. Etappe: Slow-Boat von Pakbeng nach Luang Prabang
 
Kosten: 105.000 Kip pro Person
Transport: Slow-Boat
Zeiten: 9:00 Uhr
Fahrtzeit: 8 Stunden
Tickets: Wir haben direkt in Huay Xai am Schalter ein Ticket für beide Slow-Boat Strecken gekauft für gesamt 210.000 Kip pro Person.
Hinweis: Das Slow-Boat lässt alle Passierge ca. 8 km vor Luang Prabang raus an einer Tuktuk-Stelle. Dort gibt es einen festen Preis von 20.000 Kip pro Person für die Fahrt in das Zentrum. Unser Fahrer hat uns an einem zentral gelegenen Gästehaus raus gelassen. 
 

Unterkünfte
Chiang Mai: Ein super Condo, sauber und gemütlich. Eher abseits des Zentrums, aber genau deswegen ein absoluter Geheimtipp.
Chiang Rai: Super Service, Frühstück war inkl. und sehr sauber.
Huay Xai: Es war sauber und absolut ausreichend für eine Nacht. Riesige Zimmer.
Pakbeng: Unterkunft vor Ort gesucht – leider den Namen der Unterkunft nicht gemerkt. 
Luang Prabang: Tolles Hotel, super Frühstück. 
 
Verpflegung: Man konnte Getränke & Snacks an Bord kaufen, fast jeder deckte sich jedoch vorher mit individuellen Lieblingssnacks ein – Obst, belegte Baguettes, TakeAway-Lunches (Reis/Nudeln), Chips, Cracker, Cookies uvm.
 
Kleidung: kurze Hose, Tanktop, Birkenstock + leichter Pulli/Jacke
 
Toilette: vorhanden.
 
Gepäck: Um unser Gepäck hatten wir keine Sorge – es wurde unter den Sitzflächen oder im hinteren Teil des Bootes verstaut. Wir haben es jedes Mal unversehrt und trocken zurückerhalten. 
 
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