syndrom: touristenmüdigkeit

syndrom: touristenmüdigkeit

müde von touristen(attraktionen)

Es ist schwierig auf einer Reise wie unserer Abstand zu nehmen von Touristenattraktionen. Auch wir haben das Bedürfnis uns nennenswerte Orte & Attraktionen anzuschauen und möchten uns zeitgleich davon distanzieren. Viel zu häufig schon haben wir uns davon locken lassen und sind letztlich enttäuscht worden. Das Problem? Die meisten interessanten Touristenattraktionen sollen Geld bringen. Nachvollziehbar. Sobald eine Attraktion jedoch einen Eintrittspreis hat, bekommt sie einen Wert. Die Besichtigung einer Höhle kostet auf einmal 10 Euro, die Fahrt in einer Seilbahn kostet auf einmal 8 Euro. Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen einem Eintrittspreis für die Besichtigung einer Attraktion oder Kosten eine Live-Mitmach-Attraktion wie einen Kochkurs. Denn wenn ich Eintritt bezahle, nur um mir etwas anzuschauen, erwarte ich eine Art Wow-Effekt. Generell entstehen Erwartungen, sobald eine Attraktion einen Preis bekommt, ein Wert entsteht. Und diesen Wert rechne ich ganz schnell in eine Nacht im Hostel um, ein Abendessen oder einen Flug. Kennt ihr die vielen Höhlen in Vietnam? Waren diese Tropfsteinhöhlen nun das Geld wert, das ich für mehr als eine Nacht im Hostel hätte nutzen können? Sobald meine Gedanken diesen Punkt erreicht haben, sind zwei Aspekte eindeutig:

1. Ich wurde enttäuscht und

2. Ich sollte mich an kostenlose Attraktionen halten.

Ein weiteres Problem, das uns sogar in Zeiten der Nebensaison immer wieder vor die Füße fällt, sind Touristen. Wir sind Touristen, warum mögen wir andere Touristen nicht? Wo ist unsere Nächstenliebe hin? Als Weltreisende versuchen wir anders zu reisen, langsamer zu reisen, einen Alltag zu finden und Orte kennen zulernen, als wären sie gerade unser neuer Wohnort geworden. Wir wollen vermeiden wie „normale 30-Tage-Urlauber“ in kurzer Zeit viel zu sehen oder nur am Strand zu liegen & Cocktails zu schlürfen. Wir wollen es anders machen und uns differenzieren. Weil wir die Zeit haben und es der aktuelle Sinn unseres Lebens ist. 

Wenn wir einen Reisebericht für einen Wasserfall, eine Brücke & Co. lesen, wird so häufig empfohlen noch vor den „Touristenmassen“ zu kommen –  also früher am Morgen. Wir, die individueller, flexibler und eigenständiger reisen wollen und können, möchten vor den normalen Touristen einen Ort erreichen. Für ein Foto, auf dem das Gefühl vermittelt wird, wir hätten einen glücklichen einsamen Moment erwischt. Für einen Moment Ruhe und die Möglichkeit die neue, aufregende Attraktion allein zu erleben. Nun frage ich euch – wenn wir Individal-Reisende-Backpacker alle planen noch vor den chinesischen Touristenbussen mit Selfie-Sticks und Sonnenhüten einzutreffen, dann sind auf einmal doch alle wieder gleichzeitig an den schönsten Orten?

Vielleicht sollten wir uns besser absprechen. Denn sonst seid auch ihr, meine lieben Backpackerfreunde mit den teuren, guten Kameras und Gorillapods, genauso nervige Touristen wie die asiatische Reisegruppe. Ich frage mich, ob es dann nicht sogar klüger ist auszuschlafen und mich nicht morgens für das gestellte „Wir waren ganz allein hier“-Bild abzuhetzen. Weniger zu schlafen und vielleicht sogar auf Frühstück zu verzichten. Denn leider klappt es einfach nie, dass wir so früh ins Bett kommen, dass wir glücklich froh und munter um sechs Uhr erwachen, leckeres, gesundes Frühstück finden und in aller Ruhe den Weg zum Wasserfall auf uns nehmen. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, ist mein absoluter Geheimtipp für alle Backpacker also der Folgende – macht euch keinen Instagram-Foto-Stress und hört auf mir ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn ich erst um zehn Uhr meine Äuglein öffne. Immer wieder geht es um mehr #reallife auf Instagram, aber für das gute Foto, das euch Instagram-Nutzern am besten gefällt, ist mein reales Leben so stressig, wie das eines Vollzeit-Touristen. Ich mutiere unfreiwillig zum Profi – Profi in Touristenvermeidung. An dieser Stelle möchte ich mich entschuldigen für alle Backpacker, die mich bereits grummelig morgens um einen Wasserfall haben schleichen sehen. Ihr macht mich müde. 

Ich bin für weniger Stress, mehr kostenlose Fotokulissen und mehr Ehrlichkeit in unserem Leben auf Reisen. 


Denn sind wir mal ehrlich, wer steht eigentlich gerne in einer Schlange für ein Foto?

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