Traveldiary Malaysia: George Town

Traveldiary Malaysia: George Town

kein plan & die angst vor überflutung

R U N D R E I S E   M A L A Y S I A


P U L A U   P A N G K O R

I P O H

C A M E R O N   H I G H L A N D S

P U L A U   P E N A N G 

P U L A U   L A N G K A W I

K U A L A   L U M P U R


Schuhe an, Kameras einstecken und los – George Town ist eine Stadt für Entdecker & Hippies. Wir fühlten uns hier ab der ersten Minute wohl und hätten in dieser Stadt durchaus eine längere Pause einlegen können. Nicht zu groß, nicht zu klein. Nicht zu laut und nicht zu leise. Einfach eine gute Stadt. George Town ist reinste Street-Art für sich. Der Gesamteindruck aus den unzähligen versteckten Street-Art-Motiven macht’s!

 

George Town ist bekannt für die Street-Art und so starten auch wir an unserem ersten Tag einen “Wer-findet-die-besten-Motive?”-Stadtbummel. Es hat uns sehr gefallen und macht einfach Spaß, wie bereits in Ipoh, aufmerksam und neugierig durch die Straßen zu wandern. Jedoch – die vielen Street-Art-Motive, die beliebte Instagram-Spots darstellen, sind zum Teil sehr stark belagert. Für manch einen Spot gibt es eine Warteschlange mit mindestens sieben Personen, die geduldig auf ihren Fotomoment warten (lest dazu #subjektivaberwahr).

Ich verliere schnell das Interesse an diesen Orten. Die Fotos, die auf der Speicherkarte meiner Kamera landen, sollen einzigartig sein – in einem Lena-Stil. Es nützt mir nichts ein Foto zu machen, um ein Foto zu haben. Ehrlich? Für manche Spots ist es sinnvoller sich eine Postkarte, einen Magneten oder ein T-Shirt von dem Motiv zu kaufen. Es wird weniger gequält und gestresst aussehen. Und ihr habt ein positives Erfolgserlebnis beim Kauf eines Gadgets, unterstützt vielleicht sogar lokale Geschäftsleute. Doch das ist auch meine einzige Kritik an der Stadt! Die Stadt ist gemacht für Fahrräder und es gibt sogar eigene Fahrradwege, einige hippe Cafés, das Meer ist zum Greifen nah und auch ein paar Strände müssten erreichbar sein. Abends profitiert die Stadt von vielen Lichterketten, die überall in der Stadt verteilt sind. Vor allem in Little India ist es bunt, laut und hell. 


Lieblingslokal: Veloo Villas – indisch, Preis-Leistung ist unschlagbar!


Die Stadt scheint außerdem wie gemacht für kleine Hipster – Writing Sessions, Jam-Sessions, Tree Climbing & Co. Es gibt eine Vielzahl an Events, Märkten und Ausstellungen, die man sich anschauen kann. Ein Handout – Free Penang Sheet – lag in unserem Hostel aus und gab eine super Wochen-Übersicht über diese anstehenden Events. Jetzt wäre um 12 Uhr eigentlich Check-Out-Time, aber wir verlängern um eine Nacht im The Frame Guesthouse. Für 12 Euro pro Nacht inkl. Frühstück mit bester Lage können wir nicht meckern. Außerdem gibt es den ganzen Tag über Kaffee, Tee und Wasser for free. Eine empfehlenswerte Unterkunft im coolen Design. Wir stehen auf Dorms mit Doppelbetten und haben das Glück hier in einem zu schlafen. 

Das Marmeladentoast war geschmiert und der erste Schluck vom Tee genommen, als das Wetter für uns am zweiten Tag die Tagesplanung übernimmt. Es fing an aus Eimern zu schütten. Wir wollten gerne noch einen Strand von Penang sehen, entweder den Monkey Beach oder Turtle Beach. Für einen Strandbesuch müssen wir jedoch erstmal durch den Nationalpark wandern und bei dem Wetter hat sich das erledigt. Auch eine weitere Schlender-Tour durch diese urbane Hipster-Stadt blieb nun aus. Ein paar Stunden später knurrt der Magen und wollte sich nicht mehr mit dem neuen Lieblingsgetränk Teemilch stillen lassen. Die Dame an der Rezeption bestätigte uns was wir bereits ahnten – alle Regenschirme des Gästehauses sind zurzeit unterwegs. Da wir nicht aus Zucker sind und Hunger ein starker Antrieb ist, ging es raus in den Regen.

Immer wenn wir ein gutes Restaurant gefunden haben, versuchen wir dabei zu bleiben. Doch spätestens nach dem dritten Abend im gleichen Lokal meldet sich die Neugierde auf mehr, die Hoffnung auf einen weiteren Glücksgriff und der Entdeckergeist. Immer wieder kommt diese Gefühlskombination auf und wir tauschen diese „Wie gestern?“-Blicke aus. Ich sage euch – in Hannover hätte es für mich nichts Schlimmeres gegeben. Jedes Mal das gleiche Lokal? Ich will erleben, entdecken, testen, probieren und im besten Fall immer wieder neu positiv überrascht sein. Doch seit „Essen gehen“ keine Ausnahme, sondern der Alltag geworden ist, bleiben wir gerne bei altbewährt. Zu oft schon gab es eine Enttäuschung und immer wieder besteht das Risiko, dass mein Magen etwas nicht verträgt. Ich reagiere, wie ich seit jetzt weiß, sensibel auf die Schärfe der asiatischen Gerichte. Und auf schlechte Mayo. Und wer weiß worauf noch. Das “Essen gehen” ist nicht mehr eine Freizeitaktivität, sondern unser Alltag. Sehr gerne würde ich häufiger kochen, doch dafür bräuchten wir eine entsprechende Unterkunft und der Einkauf von Lebensmitteln gestaltet sich zum Teil auch schwieriger. Frühstück haben wir uns bereits häufiger selbst gemacht – Eier, Müsli, Obst, Brot. Für die Erhaltung meiner Kochkünste blieb bisher kaum Spielraum.

An diesem regnerischen Tag konnte nur unser Bedürfnis trocken zu bleiben die Neugierde überwiegen. Wir landeten in einem nahe gelegenen indischen Lokal und zahlten für mindere Qualität mehr Geld als bei unserem Stamm-Inder. Noch immer hungrig blieb uns keine Wahl – ab durch den Regen und auf zu unseren favorisierten Naan‘s. Der Regen hatte den ganzen Tag über auf die Stadt geschüttet und nicht eine Sekunde davon abgelassen. Die Pfützen waren zum Teil bereits knöcheltief. Als wir drei Stunden später den Versuch starten zu schlafen, knallte und krachte es viel. Unser urbanes Hostelgebäude war zugleich ein altes Haus mit viel Freiraum für luftige Ecken und Wellblech. Das Geräusch von prasselndem Regen gefällt mir, vor allem wenn ich in einem trockenen, warmen Bett liegen darf. Doch an diesem Abend kam dazu ein wenig Sorge – Sorge um das Haus, Sorge um die Stadt auf einer Insel, Sorge um eine Überflutung.  

Unser dritter Morgen in George Town: Das Haus ist trocken, die Nacht ist überstanden. Trotzdem fällt es mir heute besonders schwer lange zu schlafen. Warum? Weil es keinen Plan für den Tag gibt. Keinen „Was essen wir heute? Was machen wir heute? Wie wird das Wetter heute“-Plan, nein viel wichtiger. Es lässt mich nicht zur Ruhe kommen, wenn ich nicht weiß, wo wir an diesem Tag schlafen werden. Eine gebuchte Unterkunft versorgt mich mit Ruhe. Als ich an diesem Sonntagmorgen aufwache und feststelle, dass Vergangenheitslena und Vergangenheitsoleg zu wenig Zeit in Unterkunftsrecherche investiert haben, bin ich hellwach. Check-Out war um zwölf, gepackt hatten wir nicht, kein Busticket, keine Unterkunft. Sollte das der Tag sein, an dem wir nach Langkawi fahren würden? Schnell griff ich zum Handy und durchstöberte Agoda, Booking und Co. Unsere lieben Freunde Finn & Femke vom Reiseblog Alltagsgewusel hatten uns eine Unterkunft über Airbnb empfohlen, die jedoch belegt war. Puh, ich brauchte Milchtee! Und fragte mich im nächsten Moment, ob auch dieser ein Suchtpotenzial wie Kaffee auf mich ausüben könnte. Als Oleg zehn Minuten später die Treppe runterschlurfte, hatte ich bereits beschlossen, dass wir, um Stresspotenzial zu vermeiden, lieber eine Nacht länger in George Town bleiben sollten. Und so machten wir es auch. Wir nutzen die Zeit, um erneut die Stadt zu besichtigen, eine Unterkunft auf Langkawi rauszusuchen und zu packen. Der schwarz-weiße Zeitungsflyer, der an der Rezeption unseres Hostels liegt, verrät uns, dass am Sonntag zwei Märkte in George Town stattfinden sollen. Ich liebe Märkte! Nachdem unser Füße bei unserem letzten Erkundungsmarsch ganz schön gelitten hatten, beschlossen wir dieses Mal ein Fahrrad zu nehmen. Jede Stadt, die dafür geeignet ist, sie mit einem Rad zu erkunden, gefällt mir gut. Amsterdam, Münster, Hannover – ich liebe Euch. Und George Town? Du bist auch klasse!

Der Regen hatte sich noch nicht endgültig von der Insel verabschiedet und immer wieder nieselte es während unserer Fahrradtour. Wir suchten nach dem ersten Markt und konnten ihn nicht finden. Nach Auskunft einer Café-Besitzerin waren wir zu spät dran, schade. Aber es gab ja noch einen zweiten Markt – unsere Hoffnung! Bereits auf dem Weg zu der Ecke, in der der Markt stattfinden sollte, gab es Probleme. Der 20-Stunden-Regenschauer hatte die Stadt verwüstet, Schaden angerichtet und Straßen überflutet. Viele Straßen waren gar nicht befahrbar für Roller & Fahrräder. Und wir vermuten, dass dies auch der Grund dafür war, dass wir den zweiten Markt ebenso nicht finden konnten. Wir standen vor einer verschlossenen Halle. Kein Markt für uns. In der Straße davor stand alles unter Wasser und in der Straße dahinter lag ein riesiger Baum quer auf der Straße, gelandet auf einem parkenden Bus. Die Wurzeln des Baumes waren aus der Erde gerissen. Bei diesem Anblick war schnell vergessen, dass wir keinen der beiden Märkte besichtigten konnten. Uns wurde schnell klar, dass wir glücklich waren, dass der Sturm uns heil gelassen hatte.

 

 


Lieblingssmoothie:

Sehr zentral gelegen gibt es einen kleinen Stand, der Smoothies verkauft. Super lecker!

 


Es war unser letztes Abendessen und auf einmal klingeln unsere Ohren – hatten nicht alle gesagt, dass es auf Penang das beste Essen geben soll? Plain Naan und ein Bananen Lassi konnten damit nicht gemeint sein. Wir entschieden unserem Entdeckertrieb doch noch freien Lauf zu lassen und probierten uns an ein paar Straßenständen, sodass unser Abendessen aus Burger und Nudeln bestand. Der Burger war unspektakulär, aber lecker. An Nudeln versuchten wir uns zweierlei – es gab ein Gericht namens Koay Teow, welches aussieht wie Pad Thai, nur nicht ansatzweise so lecker schmeckte. Wir waren enttäuscht. Entweder war unsere Köchin unfähig oder das Gericht war einfach nicht unser Liebling.

Doch direkt gegenüber erblickten wir einen Stand, an dem die Menschen unaufhörlich Schlange standen. Dort sollte es Wan Tan Mee geben – Nudeln mit Wan Tans. Gefüllte Nudel mit langer Nudel. Klar, das klingt immer gut. Es dauerte ewig bis wir die Nudeln bekamen und ob dieser Haufen an Menschen vor einem 1×1,5 Meter Stand wirklich eine Schlange war, blieb unklar bis wir eine kleine Portion Nudeln für 4 Ringgit vor uns stehen hatten. Zwei Männer kochten wie verrückt Nudeln in riesigen Töpfen, schöpften Wasser ab, ließen die Nudeln ins Wasser und holten sie wieder heraus. Allein für den „Kochvorgang“, der pro Portion vielleicht gerade mal 20 Sekunden dauerte, war es das Warten wert. Und geschmacklich waren die Nudeln wirklich lecker!

Tagsüber haben wir uns an diesem Tag sogar auch an Street-Food versucht. In Little India gibt es klasse Straßenstände mit famosen Samosas

War dieser Artikel nun hilfreich für euch? Wir haben in George Town einfach die Seele baumeln lassen, haben viele Spaziergänge gemacht und gut gegessen. Die Insel Penang bietet jedoch für Abenteuer-Freunde noch einiges mehr und ist in jedem Fall einen Besuch wert. 


FAZIT GEORGE TOWN:

George Town, du Kunstwerk. Die Stadt lädt ein zum Schlendern, Rad fahren, Verweilen und Schlemmen. Die Street-Art ist für uns ein Must-See und macht die Stadt besonders. Es füllt sie natürlich auch mit Touristen, die bereit sind, Warteschlangen in Kauf zu nehmen, für ein Foto an den bekanntesten Motiven. Dieser Faktor könnte die Attraktivität der Stadt verringern. Jedoch ist die Street-Art so gut verteilt in der Stadt und Geschmäcker sind subjektiv, sodass es für mich nicht „das Eine-Motiv“ gab. Auch die kleineren, versteckten Wandbilder hatten ihren Charme. Und jedes Mal wenn ich eines entdecken, einfach so, ohne eine Traube von Touristen davor, war es wie ein gefundener Schatz auf einer Schnitzeljagd durch George Town.


Habt ihr bereits gelesen wie die Cameron Highlands gefallen hat? Plant ihr auch eine Malaysia-Rundreise? Dann lest gleich weiter!

T R A V E L D I A R Y  M A L A Y S I A: C A M E R O N  H I G H L A N D S

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