wie viel verantwortung kannst du tragen?

wie viel verantwortung kannst du tragen?

#travelresponsibility

 

  - leave nothing but footprints, take nothing but pictures, kill nothing but time - 

Wir sitzen in Pokhara am See und genießen die Sonne, die uns mitten ins Gesicht scheint. Wir werden immer wieder von Menschen angesprochen, um ein Boot zu mieten, Schmuck / Bananen oder Kokosnüsse zu kaufen. "No, thank you" - unsere Standardfloskel. Unsere Reise dauert zu lang, um sich mit Mitbringseln und Souvenirs den Rucksack schwerer zu machen als er sowieso schon ist. Ein Mädchen taucht neben uns auf, steht so nah neben mir, dass unsere Beine sich berühren, hält die Hand auf und bettelt um Geld. Jeder, der diese Situation eines bettelndes Kindes bereits erlebt habt, weiß, dass es schwierig ist sich moralisch auf den richtigen Gedankengang zu fokussieren. Dieses Mädchen mit ihren riesigen traurigen Augen steht zum Greifen nah und es wäre so einfach ihr ein kleines Lächeln in das Gesicht zu zaubern - ein paar Scheine und sie würde weiterziehen. Doch was passiert mit diesem Geld? Und wie entwickelt sich ihr Schicksal wenn ihre Bettel-Touren von uns weiter unterstützt werden? Wir sehen dieses Mädchen immer wieder bei anderen Touristen - ihre auswendig gelernten englischen Sätze sind nicht richtig zu verstehen und sie wiederholt sie immer wieder. Die nächste Gruppe Touristen gibt ihr Geld. Sie läuft den Weg entlang zu einem anderen Mädchen, sie tauschen sich aus - besprechen die Lage. Prüfen die möglichen nächsten Geldquellen. Wie viel Verantwortung kann ich in diesem Moment für das Schicksal dieses Mädchens übernehmen?

Der Wunsch das "Richtige" zu tun ist groß und trotzdem sind wir zu uninformiert über die Verhältnisse dieser Menschen. Wir entscheiden aus dem Bauch heraus. Bettelnde Menschen sind ein Bild, das wir auch von Straßen & Fußgängerzonen in Deutschland kennen. Wie handeln wir hier? Wir geben lieber einen Kaffee oder ein Brötchen aus, statt 5 Euro in einen Becher zu werfen. Ich hätte diesem Mädchen am See lieber eine Banane geschenkt als Geld. Wir haben bettelnde Kinder bereits in Kambodscha erlebt. Sie dürfen nicht bestätigt werden diese Art von Geldbeschaffung für sinnvoll zu halten. Es wird immer wieder dazu aufgerufen, eher Hilfsorganisationen Spenden zukommen zu lassen, als diesen Kindern etwas zu geben.  Es ist schwer, doch ich empfinde es als meine Verantwortung als Reisende über diesen Kontinent diese Kinder nicht zum Betteln zu ermutigen. 


Seit wir auf Weltreise sind, haben wir bereits einige Situationen erlebt, in denen sich unser moralischer Kompass meldet. Unser Bedürfnis für Gerechtigkeit zu sorgen, unser Bedürfnis zu Helfen oder Aufzuklären. Gerade die Schicksale von Kindern treffen uns auf unseren Reisen besonders. 


Ein weiteres Beispiel: Motorrad und Roller fahren ohne Helm. Wir bereisen Asien bereits seit vier Monaten und die Verbreitung von Helmen im Straßenverkehr variiert, ist jedoch trotzdem nicht vergleichbar mit dem, was wir aus Deutschland kennen. In Thailand haben wir häufiger Kampagnen für Sicherheit im Straßenverkehr gesehen und in den meisten dieser Länder herrscht eine Helmpflicht. Wenn der Roller der tägliche Begleiter ist, sollte dies für jeden gelten - für Männer, Frauen und für Kinder. Leider erleben wir diese Regelung selten in der realen Umsetzung. Vor allem in Laos haben wir besonders viele Kinder auf Rollern gesehen und noch seltener Helme als in den anderen Ländern (mehr dazu). Wir schütteln den Kopf, wir sind besorgt, wir trauen uns manchmal gar nicht darüber nachzudenken, welche Folgen ein Unfall haben könnte - bis wir einen erleben. In Luang Prabang erlebten wir einen Unfall, der einer der Auslöser dafür war, sich dem Projekt 'Kids-wear-helmets' anzuschließen. Unsere Freunde Finn & Femke vom Reiseblog Alltagsgewusel haben selbst einen vermutlich tödlichen Rollerunfall ohne Helm von einer Mutter mit Kind erlebt und zogen daraus einen Entschluss - es muss etwas getan werden, zumindest versucht werden, um die Kinder im Straßenverkehr besser zu schützen. Wir trafen uns in Kuala Lumpur und sprachen über das Projekt. Es brauchte keine Überlegungen - wir wollten ein Teil davon sein. Wir möchten verantwortungsbewusst reisen und die Augen vor der Welt & ihren Problemen nicht verschließen. Wir bereisen die Welt nicht, um nur schöne Bilder & Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen - wir sind gerne auch bereit etwas zu geben, etwas zu tun, etwas zu bewegen.


Das Projekt lebt von euch und von euren Spenden: Ein Helm kostet etwa 10 Euro und sobald das Geld für einen Helm gespendet wurde, können wir überall auf der Welt Helme an Familien & deren Kinder verteilen. Lest mehr dazu auf kids-wear-helmets.com !


In Nepal haben wir noch nicht viele Kinder auf dem Roller gesehen, sind dafür umso mehr mit dem Thema Umwelt und deren Verschmutzung in Kontakt gekommen. Gerade bei unserer Trekking-Tour fiel uns der viele Plastik- und Glasmüll in den Bergen auf. Müll ist ein großes Problem in den Entwicklungsländern, die wir besuchen. Es gibt Momente, in denen man das vergessen mag. Doch der Realität kann man kaum entfliehen - Müll wird am Ende des Abends an jeder Ecke verbrannt. Es ist uns bereits häufiger passiert, dass wir abends spazieren waren und auf einmal vor einem riesigen Müllberg standen. Die Straßenränder sind voll mit aus dem Fahrzeug geschmissenen Plastikmüll und die Suche nach Mülleimer gestaltet sich endlos. Es gibt kein richtiges Abfallsystem in diesen Länder, wie wir es aus Deutschland kennen und demnach fällt nicht abbaubarer Abfall aus der Reihe - Plastik. 

Es gibt noch viel mehr Beispiele, in denen wir als Reisende Verantwortung übernehmen können. Während ich morgens unter der heißen Dusche stehe und mich mit meiner Spotify-'Dusch-Playlist' auf den Tag einstimmen will, kommen mir Gedanken über meine Verantwortung. Sollte ich weniger lange duschen? Sollte ich überhaupt den Anspruch an eine warme Dusche stellen? 

Warmes Wasser, Wifi und gefiltertes Wasser - Standard-Ansprüche, die ein Tourist an eine Unterkunft stellen mag. Und Ansprüche, die die meisten Gästehäuser und Hotels erfüllen wollen. Ist es selbstverständlich, dass wir in einem Gästehaus schlafen und diese Vorteile nutzen? Wird die Familie im Nachbarhaus auch warm duschen können? Nepal zählt als eines der ärmsten Länder Asiens. Häufig verlieren wir die Sicht für die Lage der Menschen um uns herum, wenn alles normal wirkt. Gerade nach vier Monaten in Asien werden wir blind für die Unterschiede. Erst wenn wir genauer hinschauen, sehen wir die Armut. Und erst dann können wir vielleicht nachvollziehen, warum der Frisör um die Ecke aus einem günstigen Haarschnitt ein fünffach so teures Geschäft machen will. Besonders in Nepal fehlte uns häufig das Verständnis für die starken Feilsch-Motive der Menschen, die teilweise Preisvorstellungen für Taxifahrten & Co. äußerten, die absurd waren. 

Ich habe auf viele meiner Fragen noch keine Antworten. Ich habe ein Bewusstsein für die Unterschiede zwischen lokalem Leben und meinem Leben als Reisende entwickelt. Nun gilt es zukünftig meiner Verantwortung als Traveller gerecht zu werden und mein Bestes zu geben. Der Tourismus ist in manchen Regionen unserer Welt die wichtigste Einnahmequelle, deshalb wird es an diesen Orten umso wichtiger als Reisender nicht mehr Schaden anzurichten als ein Einheimischer. In Zeiten, in denen die Worte "Tourismusoverload" zu Schlagwörtern werden, wird das Thema Verantwortung immer wichtiger.

Also liebe gleichgesinnte Reisefans - informiert euch und reist verantwortungsvoll. Und wenn ihr Interesse habt auch von Zuhause aus zu helfen und zu unterstützen - das Projekt 'Kidswearhelmets' kann jeden von euch gebrauchen!

 

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