Varanasi: Want a boat?

Varanasi: Want a boat?

die größten Kühe & der günstigste Chai

Und manchmal handelt es sich bei den riesigen Kühen auch einfach um Büffel, wie Oleg und ich lernten. In Nepal haben wir häufig ein Gericht namens ‘Buff Momo’ gegessen – quasi Ravioli mit Büffelhackfleisch & Zwiebel gefüllt. Ob die Büffel in Varanasi auch heilig sind? Die Stadt selbst ist es zumindest. Varanasi zählt zu den sieben heiligsten Städten Indiens. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Varanasi am Fluss Ganges liegt und das Wasser dieses Flusses als heilig im Hinduismus gilt. Wir haben heute viele Menschen dabei beobachten können wie sie sich im Ganges gewaschen haben. Eine Geste, die dazu dienen soll sich von den eigenen Sünden zu befreien. Wir sahen nur Männer im Wasser. Außerdem wünschen sich viele Menschen an diesem Ort zu sterben und nehmen weite Wege auf sich, um im Ganges bestattet zu werden. Die Leichen werden dort öffentlich verbrannt und deren Asche in das Wasser gestreut. Es gibt verschiedene Ghats am Fluss, die man sich wie ein Bereich am Flussufer vorstellen kann zu dem viele Stufen herunterführen. So beobachteten wir auch viele Menschen, die den Ganges zum Wäsche waschen nutzten. Ob der Fluss dreckig ist? Ein klares Ja. 

– Nachtbus in Indien –

Für uns war Varanasi die letzte Station im Norden Indiens, der Süden war kurz davor uns mit offenen Armen zu empfangen. Nachdem uns Nepal mit seiner winterlichen Kälte sehr überrascht hat, blieben eine Erkältung und ein Winterkleidungseinkauf nicht aus. Wir legten uns warme Wolljacken zu, rückblickend der einzig erfolgreich verhandelte Kleidungskauf in Nepal. Seither tragen wir diese Jacken fast jeden Tag, spätestens wenn die Sonne untergeht und uns keine Wärme mehr schenkt wird es in Indien kalt. Die Tagestemperaturen aus Varanasi, Jaipur & Co. sollen uns im Süden Indiens als Nachttemperatur dienen. 

Wir erreichten Varanasi nach einer wenig amüsanten Nachtbusfahrt. Abschließend haben wir in Indien häufiger den Bus benutzt als den Zug (mehr dazu hier). Unser Gastgeber in Agra, Ashim, sprach seine Empfehlung für diesen Bus inkl. Wlan, Toilette & Klimaanlage aus. Am Ende profitierten wir von keinem dieser luxuriös klingenden Extras. 

Es war unsere zweite Nachtbus-Fahrt in drei Nächten. Pro? Wir sparen Hotelkosten. Contra? Nachtbus fahren in Indien ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man bekommt. Unser Gastgeber in Agra, Ashim, war vertrauenswürdig und sehr nett und auf seinen Rat hin entschieden wir uns für diese teurere Variante. Teuer war es insofern, als dass unsere erste Busfahrt sechs Stunden länger ging und weniger gekostet hat – eindeutig der bessere Deal. Doch in eigener Recherche kamen wir in den Entscheidungszwang von etwa zehn Bussen zu unterschiedlichen Preisen. Steht die günstigste Variante dabei für weniger Komfort? Wir werden es nicht erfahren. 

Um 23:45 Uhr sollte der Bus in Agra Richtung Varanasi starten. Zwei Australier aus unserer Unterkunft entschieden sich ebenfalls für diese Variante und wir starteten gemeinsam in das neue Abenteuer – Übernachtung auf Rädern. Der Plan gemeinsam zu Fuß zum Abholort zu spazieren wurde von einer Horde wilder Straßenhunde unterbunden, deren geschaffene Geräuschkulisse mich nicht durch die Dunkelheit wandern lassen wollte. Meine Angst war größer. In Indien gibt es sehr viele Straßenhunde. Am Standort der Abholung angekommen wurde uns mitgeteilt, dass der Bus eine Stunde Verspätung habe. Die Lösung? Jemand rief eine Rikscha, packte uns vier Touristen zusammen und wir fuhren los ohne zu wissen wohin. Es war sehr eng mit unserem Gepäck und verdammt kalt. Und dies war nun unser Schicksal für die nächsten unwissenden 12 km durch Nebel und Smog. Über eine Art Highway fuhren wir letztlich zu einem leerstehenden Gebäude, eine Art Warteplatz.

Eine halbe Stunde später fuhr ein Bus vor. Oh, wir legten so viel Hoffnung in diesen Bus. Seit wir den ersten Nachtbus (Jodhpur – Agra) verlassen hatten, waren wir ununterbrochen in einem frierenden Gemütszustand. Agra war kühl und unsere Unterkunft war sehr kühl. Wir schliefen im Schlafsack und all den warmen Kleidungsstücken, die wir besitzen. Eine heiße Dusche gab es für jeden von uns einmal, danach wurden wir von der Dusche enttäuscht. Im letzten Nachtbus war es warm, wir hatten viel Platz und eine dunkle Kabine im hinteren Teil des Busses. Unser zweiter Nachtbus sollte uns jedoch stark enttäuschen. In diesen Bussen gibt es meist eine Tür zwischen dem Fahrerabteil und dem Passagierabteil. Eine Kabine jedoch lag direkt hinter dem Busfahrer, neben der hoch angepriesenen Toilette und vor dem abgetrennten Abteil – unsere Kabine. Das Licht einer weiße Neonröhre schien mir die ganze Nacht ins Gesicht, die versprochene AC (als Heizung) erreichte unsere Kabine niemals und die Methoden der Busfahrer sich wachzuhalten hielten auch uns wach. Diese Nachtfahrt kostete uns rund 18 Euro. Ich kann euch sagen – für dieses Geld hätten wir eine wirklich nette Unterkunft ergattern können, aber wenigstens hatten wir Varanasi erreicht. Und wir kannten uns nun im Genre indischer Partymusik bestens aus, die die ganze Nacht über in einer Lautstärke aus den Lautsprechern dröhnte, die ich mit 19 Jahren in meinem ersten Auto, einem Golf 2, hätte mithalten können.

 

– Und Varanasi sonst? –

 

Wenn wir uns bereits zuvor über Rikschafahrer oder aufdringliche Angebote von Guides beschwert haben sollten, dann ist Varanasi der Höhepunkt dieses Katz-und-Maus-Spiels. Die Stadt ist erneut sehr laut und wir haben uns wieder für unseren Mundschutz entschieden. Smog und Nebel hingen bereits früh morgens und spät abends tief in den Straßen. Der LonleyPlanet India warnt vor einigen Touristenfallen, die besonders am Ufer des Ganges aufzufinden seien. Wir blieben davon glücklicherweise verschont, wenn auch jeder zweite Mensch uns mit großen Augen und den Worten “Boat?” entgegenkam. Unsere Entscheidung fiel gegen die Bootstour, da es für uns einfach entspannter und unkomplizierter war am Ufer zu spazieren. Der Ganges war überfüllt mit Booten, die mit Menschen überfüllt waren. Wir waren schnell sicher, dass das Feeling einer sinnlich & authentischen Bootstour fern bleiben würde. In der Gegend um das Flussufer befindet sich die Altstadt, in der viele Gästehäuser, Cafes und Restaurants aufzufinden sind. Hier lassen sich sicher ein paar gute Unterkünfte finden. Unser Hostel lag jedoch eher in der Ecke Bahnhof und wir mussten jedes Mal eine Rikscha nehmen, um in die Old City zu gelangen. Nicht nur aufgrund der Lage empfanden wir unseren Aufenthalt im International Travellers Hostels als mäßig – keine Weiterempfehlung.

 

 

Am Ende war Varanasi ein Ort, an dem wir viel günstigen Chai getrunken haben und uns einen Tag lang von der Atmosphäre des Ganges-Ufer haben mitreißen lassen. Es ist sehr spannend die Menschen und das Geschehen zu beobachten. Am ersten Abend besuchten wir mit unseren australischen Freunden ein Ritual, welches jeden Abend gegen 19 Uhr beim Dashashwamedh Ghat stattfindet. Grundsätzlich werden jedoch die frühen Morgenstunden am Ganges besonders empfohlen. 


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