Vietnam: Bustagebuch

Vietnam: Bustagebuch

wer wollte schon immer mal 15 stunden lang bus fahren?

Wir sitzen im Bus auf dem Weg zu unserer letzten Station zu viert und werden nach voraussichtlich 15 Stunden Fahrt den Ort Hoi An (Vietnam) erreichen. Dies setzt voraus, dass der Bus mit dem wir fahren den Weg übersteht, unser Busfahrer uns an der richtigen Stelle raus lässt und wir bis dahin weder in einen Unfall, Überfall oder sonstiges Problem geraten. Nachdem wir gestern sowohl Unfall als auch Überfall knapp entkommen sind, ist unser Gefühl von Sicherheit ein wenig getrübt. Obwohl Kambodscha um einiges ärmer und unvorhersehbarer schien, brachte uns letztlich Vietnam wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Es fiel uns die letzten Wochen leicht Vertrauen in unsere Mitmenschen und Umgebung zu gewinnen. Doch nach einer nächtlichen Busfahrt von Kambodscha nach Vietnam begrüßt uns die Hauptstadt Ho Chi Minh City mit einem Hilflosigkeit-witternden Taxifahrer. Dieser schaffte es uns 40 Euro für eine Taxifahrt zu unserem Hostel zu entziehen, obwohl dieses gerade einmal zwei Straßen vom Startpunkt der luxuriösen Taxifahrt im Mafia-Stil entfernt war. Was haben wir uns dabei gedacht? Naivität und Dummheit als Resultat von Müdigkeit, das ist passiert.  Unsere zweite Station in Vietnam war Da Lat. Eine Stadt, die uns auf den ersten Blick gut gefiel und mit seiner Familien- und Rentner-Idylle wirkt wie am vietnamesischen Steinhuder Meer. Allgemein bekannt ist der Ort für die Möglichkeit in den bergigen Landschaften Wasserfälle, Kaffeeplantagen und Co. zu besichtigen sowie für den möglichen Startpunkt einer „EasyRider“ Tour (Motorradtrip).

Der Straßenverkehr in Südostasien lädt zum Staunen, Kopfschütteln und Angst machen ein. Während in Kambodscha noch die Tuktuks die Straßen befüllten, wurden diese in Vietnam bereits vollständig durch Roller ersetzt. Regeln gibt es keine – vielleicht Anarchie für die Hupe? Die Hupe wird zu einem Geräusch, das man lernen muss zu überhören, um sich nicht alle zwei Sekunden nach dem Verursacher umzudrehen. Uns packte die Lust – mit einer gesunden Portion Neugierde, Nervenkitzen und Mut bepackt mieteten wir uns Roller und erkundeten die Umgebung Da Lats. Doch spätestens als direkt hinter uns ein Frontalunfall zweier Roller geschah, waren wir wieder wach aus dem Touri-Träumeland.

Aufregende Tage liegen hinter uns und auch der heutige wird, sobald wir Hoi An heile & munter erreicht haben, später noch in unseren Erzählungen über Vietnam einen Platz finden. Denn was ihr verpasst habt – zwischen der ersten Zeile und dieser Zeile haben wir drei Stunden lang in einem Zwischenstopp auf unseren Bus gewartet, der sich dann als ein Transporter entpuppte. Ein Transporter, in dem kleine blaue Tritthocker gestellt wurden um ausreichend Sitzplätze für alle Mitfahrenden zu bieten. Als ich gedanklich schon anfing mir

  1. einen Fluchtplan zu überlegen,
  2. vorzustellen wie ich ohne Sicherheitsgurt im Falle des Unfalls über die Köpfe aller fliegen würde,
  3. eine grottige (realistische) Tripadvisor-Bewertung für dieses Busunternehmen auszudenken,

fuhr unser Transporter glücklicherweise um die Ecke und der entsprechende Nachtbus, mit dem wir bis Hoi An reisen, erschien im Scheinwerferlicht. Vor fünf Minuten hatte ich eine kurze Begegnung mit einer Kakerlake auf Augenhöhe und deshalb fällt es mir schwer mich an dieser Stelle von Euch zu verabschieden und mich auf ein weiteres, vermutlich höchst erholsames, Nachtbusschlaferlebnis einzulassen. Aber hey, gibt es nicht eine ganze Branche für Hotels, die außergewöhnliche Schlaferlebnisse für Geld an Schlaf-Abenteuer-Freunde verkaufen? Diesem Bus fehlt eindeutig das richtige Marketing: ein äußerst aggressiver Ticket-Kontrolleur ohne Hände und die Busrennen auf der Autobahn könnten starke Verkaufsargumente werden. Alles eine Sache der Ansicht? Bis ganz bald aus Hoi An!

Dieser Artikel wurde auch im Online-Magazin reisereporter veröffentlicht. Siehe hier!

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