Wie ist eigentlich Indien?

Wie ist eigentlich Indien?

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Eine Frage, die wir uns während unserer sechs Wochen Indien häufig selbst stellten, aber die uns auch von Freunden und Bekannten gestellt wurde. Gut, interessant, kalt, laut, überfüllt oder einfach anders waren häufig unsere Antworten. Wenn wir uns gegenseitig diese Frage stellten, konnten wir selten konkrete Gefühle nennen. Es war mehr ein Wirrwarr aus Eindrücken und Erlebnisse, die ein Gefühl zusammensetzen, das am Ende sehr positiv ist. Wir müssen Indien nach sechs Wochen verlassen und wir sind traurig zu gehen. So traurig, dass wir bereits an unseren letzten Abenden im Süden Indiens bei einem Chai in Erinnerungen schwelgen und eine Indien-Bucketlist erstellen, mit Orten die wir leider nicht sehen konnten.

Als ich vor fast zwei Monaten in Nepal im Bücherregal einen Indien-LonleyPlanet Reiseführer ergatterte, war ich gespannt ihn aufzuschlagen und zu stöbern. Und doch dauerte es sehr lange bis ich mich dieser Mamut-Aufgabe „Indien-Planung“ wirklich stellte. Immer wieder betrachtete ich diesen riesigen Wälzer, wusste nicht wie ich anfangen sollte. Hunderte Seiten Indien, die alle nur einen Bruchteil von dem präsentieren und beschreiben was dieses bunte, vielfältige Land am Ende zu bieten hat.

 

Unsere Route durch Indien war zu jedem Zeitpunkt flexibel, obwohl ich in unseren ersten Tagen in Delhi durchaus eine Art Skizze aus Städten und Reisedaten notierte. Das Land machte es uns jedoch nicht einfach. Je mehr Recherche wir betrieben und je mehr Traveller uns über den Weg liefen, desto mehr erstrebenswerte Reiseziele poppten auf unsere imaginäre Wunschliste – wie beim Shopping! Je länger man sich in einem hippen Laden aufhält, desto mehr Artikel möchte man am Ende kaufen. Indien fühlte sich an wie eine riesige Shoppingmall, die größte Mall mit den verschiedensten Läden, in die wir alle nur mal eben einen Blick werfen wollten. Die Realität in Indien? Wir skippten mehr Reiseziele als ursprünglich geplant und versuchten immer wieder uns Luft & Pufferzeiten einzubauen. Dafür gab es zwei Gründe: unsere Mägen rebellierten ab und zu & Reisen durch Indien braucht viel Zeit. Menschen sagen sowas. Sie versuchten uns vorzuwarnen und wir hatten bereits das Gefühl uns mindestens seit Laos recht langsam und entspannt von A nach B zu bewegen. Pustekuchen. In Indien lernten wir erst was langsames Reisen bedeutet und zwar buchstäblich. Die Größe des Landes und die Entfernungen zwischen den einzelnen Regionen oder Städten sind zum Teil so riesig wie ganz Deutschland. Bis wir ein Gefühl für die Transportwege und Transportmittel bekommen konnten, brauchten wir etwas Zeit. Und auch unser Gefühl für Indien formte sich in diesen sechs Wochen, sodass wir erst jetzt nach sechs Wochen annähernd so viele Informationen über Indien haben, wie sonst nach einer dreitätigen LonleyPlanet-Recherche. Wir sind blutige Indien-Anfänger, die zu begeisterten Indienfans mutiert sind.

Für alle Indien-Interessierte und mögliche Indien-Traveller möchten wir versuchen unser abschließendes Wissen in einer 3teiligen-Serie an euch zu vermitteln. Reiseberichte über die einzelnen Städte und Erlebnisse findet ihr separat auf dem Blog. 

Unser erstes Problem – die Reiseroute. Wir sind aus Nepal gekommen und damals in Delhi gelandet. Die Hauptstadt Indiens war für uns Stress & Chaos pur. Rückblickend fühlt es sich an, als hätten wir uns mehr vor dem TV im Hotelzimmer verkrochen als uns der lauten, dreckigen, intensiven Außenwelt zu stellen. Ein Schritt vor die Tür unseres Hotels hieß immer, dass ich mir wünschte Ohropax und einen Mundschutz mitgenommen zu haben, Augen für Fäkalien und Müll jeder Art offen zu halten und sich unauffällig schnittig durch die kleinen Straßen zu schlengeln – ohne dass eine Rikscha, ein Roller oder Auto mir über den Fuß fährt. Der Standort in einer Stadt macht letztlich eine Menge aus und wir hörten von inspirierenden Hostel-Erfahrungen. Delhi steht für uns nicht mehr auf der Bucketlist und wir würden die Stadt auch nicht auf eure Liste packen.

 

Als Ausgangspunkt für Reisen empfiehlt es sich eventuell aus Mumbai zu starten. Wir hörten, dass die Stadt sehenswert sei, mussten sie jedoch überspringen, damit unser Zeitplan aufging. Von Delhi aus habt ihr jedoch eine gute Ausgangslage um den Norden Indiens zu erkunden: das goldene Dreieck (Delhi, Jaipur, Agra), Pushkar, Jodhpur, Udaipur, Jaisamler. Udaipur mussten wir auslassen, hörten jedoch nur positives Feedback von der angeblich romantischsten Stadt Indiens. Den Taj Mahal findet ihr in Agra. Weiter nördlich liegen Amritsar (Grenze zu Pakistan) und auch Rishikesh, die beide sehr beliebte Reiseziele sind. Wir haben sie weiterhin auf unserer Bucketlist stehen!

 

Östlich von Delhi gibt es die Stadt Varanasi, die bekannt für die öffentlichen Leichenverbrennungen am Ganges ist. Wir besuchten diese Stadt bevor wir nach Goa flogen. Ursprünglich angedacht war es auch Kalkutta zu sehen und Darjeeling, beides war in unserem Zeitplan nicht umsetzbar.

 

In Goa starteten wir in Panaji, wanderten dann etwas nördlicher an der Küste in den Ort Vagator und am Ende nochmal ganz südlich nach Palolem. Rückblickend war unsere Route mit viel Reisezeit verbunden und es gibt bestimmt eine Möglichkeit das klüger zu meistern. Wenn wir wieder nach Goa kommen, würden wir folgende Orte / Strände unbedingt besuchen: Talponga, Patnem, Cola, Arambol, Mandrem, Vagator. Angenehm und nicht zu touristisch zum Übernachten fanden wir Palolem und Arambol. Goa ist zum Teil überfüllt mit russischen Touristen und dies könnt ihr sofort erkennen: russisch sprechende Verkäufer, russische Speisekarten, russische Hotelnamen. Vor allem in der Ecke um den Anjuna Beach konnten wir dies stark merken. Es ist nicht zu unterschätzen wie sehr sich die Strände von den Besucherzahlen und dem Tourismus herum unterscheiden. Hier ist Strand nicht immer gleich Strand. Wir entschieden uns für Hostels in Goa und können dies jederzeit weiterempfehlen (Folklore Hostel, Dreams Hostel, Summer by thehostelcrowd). Der Hippie-Vibe Goas wird zum Teil erst in den Hostels richtig deutlich und wer sich in solch einer familiären, aufgeschlossenen Atmosphäre wohl fühlt, sollte unbedingt ein Hostel wählen. Fast jeder Reisende den wir trafen machte uns auf Hampi aufmerksam – anscheinend ein absolutes Must-See. Wir hatten keine Zeit übrig, nächstes Mal!

 

Von Goa aus machten wir uns auf dem Weg Richtung Kerala – unsere letzte Station Indiens. Die Region ist bekannt für die berühmten Backwater-Touren (z.B. mit einem Hausboot) und für nette Strände. Aufgrund von Zeit- und Budgetmangel entschieden wir uns für ein paar entspannte, letzte Tage in Alleppey – ein Ort, der das Herz der Backwater-Touren sein soll und von dem aus ihr eine solche Tour starten könnt. Außer einem Strand hat dieser Ort für uns bisher wenig zu bieten, aber wir fühlten uns in unserer Unterkunft sehr wohl und legen euch das Zostel an dieser Stelle gerne ans Herz. Unbedingt vorbeischauen! Was macht man sonst in Kerala? Der Varkala Beach wurde uns sehr häufig empfohlen.

Das war unsere kleine Route durch Indien, für die wir auch noch mehr Zeit hätten gebrauchen können. Wir wären sehr gerne noch länger in Goa geblieben und hätten den Strand und den Hippie-Vibe genossen. Auch in Jodhpur haben wir uns im Dylans Cafe & Guesthouse wie Zuhause gefühlt. Rückblickend hätten wir für unsere erste Reise durch Indien gerne mindestens drei Monate Zeit gehabt. Doch häufig entdecken wir interessante Orte erst beim Reisen selbst und finden heraus was uns gefällt, wo wir gerne länger bleiben wollen. So passiert es uns, dass unsere Bucketlist, mit der wir ursprünglich in diese Weltreise gestartet sind, eher länger statt kürzer wird. Uns bleibt keine Wahl – wir müssen wiederkommen.

 

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